Tatort

Pop-Up-Residenz Carlos Díaz

Residenz 17.-23.11.2025 

Im Rahmen der Pop-Up-Residenz am Staatstheater Darmstadt widmet sich der Choreograf Carlos Díaz einer einwöchigen künstlerischen Forschungsphase für sein neues Tanztheaterstück Tatort (Arbeitstitel) (Urafführung geplant für den 18.-20. Juni 2026 im Gallus Theater Frankfurt).

Die Residenz dient als Labor zur Erforschung der körperlichen und atmosphärischen Grundlagen des Stücks – mit Schwerpunkt auf Bewegungsexperimenten, Soundgestaltung und Lichtdesign. Gemeinsam mit ein bis zwei Tänzern untersucht Díaz, wie Gesten, Rhythmus und Licht die Spannung zwischen Gewalt und Begehren – zentrale Themen von Tatort – erfahrbar machen können.

Während der Residenz am Staatstheater Darmstadt wurde ein neuer choreografischer Abschnitt des Stücks entwickelt, der sich mit den Themen Traurigkeit, Männlichkeit und Stoizismus auseinandersetzt. Ausgangspunkt war die Redewendung „Männer weinen nicht“, verstanden als kulturelle Struktur, die emotionale Unterdrückung fördert und eine bestimmte Vorstellung von Männlichkeit prägt. Aus dieser Prämisse heraus entwirft die Choreografie ein poetisches und körperliches Gefüge rund um Begriffe wie Verletzlichkeit, Schüchternheit und emotionale Zurückhaltung.

Diese Arbeit kreist um eine zentrale Frage: Ist diese Verleugnung der eigenen Emotionen eine Form von Gewalt gegen sich selbst? Und in der Folge: Wie gestalten sich unsere emotionalen und sexuellen Beziehungen, wenn uns von früher Kindheit an das Recht auf Tränen, auf Fragilität und auf den Ausdruck von Schmerz verwehrt wird?

Begleitet wird diese choreografische Entwicklung von der Ballade ¿Por Qué Me Haces Llorar? (Warum bringst du mich zum Weinen?) des ikonischen mexikanischen Sängers Juan Gabriel, einer Schlüsselfigur der lateinamerikanischen Popkultur und Referenz der queeren Sensibilität. Seine Stimme, voller Drama und Emotionalität, bildet einen poetischen Gegenpol zum Gebot emotionaler Härte und eröffnet einen Bühnenraum, in dem das Weinen nicht als Schwäche, sondern als Akt des Widerstands erscheint.

 

(c) Jörg Baumann

Carlos Díaz Torres ist Peruaner und wohnt seit 2021 in Frankfurt. Seitdem arbeitet er hier als freischaffender Tänzer und Choreograph. Er studierte Klassisches Ballett an der Ellison Ballet School in New York. Von 2015 bis 2020 tanzte er beim National Ballet Peru in Lima. Seit seinem Umzug nach Frankfurt war er als Gasttänzer an der Oper Frankfurt, am Hessischen Staatstheater Wiesbaden und am Landestheater Detmold tätig. Im November 2024 realisierte er seine erste längere Tanztheater-Produktion “It’s Quiet in Hell” am Gallus-Theater Frankfurt, die durch das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert wurde. Die Produktion wurde von Marcus Hladek in der Frankfurter Rundschau sehr positiv besprochen. Er präsentierte darüber hinaus eigene Choreografien beim Festival „Freier Tanz im Delta XIII und XIV“ in Mannheim, beim „DanceNexus“-Festival in Wiesbaden sowie in Performances in der Galerie Monica Ruppert. Im Jahr 2022 absolvierte Carlos eine Choreographie-Residenz im ID_Tanzhaus Rhein-Main mit seinem Projekt The Vallejo Readings und präsentierte ein weiteres Werk beim Sommerwerft-Festival. Parallel zu seiner künstlerischen Tätigkeit absolvierte er einen Bachelor in Übersetzung und Dolmetschen an der Valencia International University (Spanien). Seine Ausbildung umfasst neben dem Ballett auch peruanische Folklore, Flamenco, Tango, zeitgenössischen Tanz und Jazztanz. 2016 nahm er außerdem an einem Bühnenbildkurs bei César Guerra in Lima teil und begann 2017 ein Schauspielstudium im Taller Estudio de Formación Actoral unter Ramón García. Seine künstlerische Praxis verbindet Ballett, zeitgenössischen Tanz und performative Elemente mit interkulturellen Einflüssen.

Aktuell gibt es für dieses Programm keine bevorstehenden Termine.

Unser Repertoire

Stücke aus den vergangenen Spielzeiten finden Sie hier.

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