Über eine Spielzeit lang haben sich Menschen unterschiedlicher Altersgruppen in den Tanzklubs des Hessischen Staatsballetts in Darmstadt und Wiesbaden wöchentlich getroffen, um gemeinsam zu tanzen und kreativ zu werden. Die Abschlusspräsentation in den Kammerspielen des Staatstheaters Darmstadt gibt nun Einblick in diese gemeinsamen Prozesse.

Die diesjährigen Tanzklubs Afrofusion von Debby Mintah und Fliegende Körper von Laura Ahumada García in Darmstadt und How to move in between von Yi-Lun Chen-Czajor in Wiesbaden bieten Räume für zeitgenössischen Tanz, afrikanische Tanzstile, Capoeira-inspirierte Bewegung, Improvisation und inklusive Tanzpraxis. Im Mittelpunkt stehen kreative Freiheit, persönliche Erkundung und das Erleben von Gemeinschaft. Jenseits fester Technikvorgaben wird Bewegung als Ausdrucksmittel erforscht – kraftvoll, verspielt, offen und individuell. Unterschiedliche körperliche Erfahrungen, kulturelle Hintergründe und Ausdrucksformen werden dabei nicht nur akzeptiert, sondern als Bereicherung verstanden.

Die Abschlusspräsentation zeigt Choreografien, die aus Begegnung entstanden sind, aus Austausch, Neugier und dem Mut, sich tänzerisch zu zeigen. Der Tanzraum wird dabei zu einem Ort gelebter Vielfalt, in dem Verbindung, Achtsamkeit und kreative Energie spürbar werden.

Mit dieser gemeinsamen Aufführung endet die aktuelle Spielzeit der Tanzklubs. Gleichzeitig laden wir dazu ein, neugierig nach vorn zu blicken: Die Tanzklubs der kommenden Spielzeit beginnen im August in Wiesbaden und im September in Darmstadt. Erneut werden sie Menschen mit und ohne Tanzerfahrung die Möglichkeit eröffnen, Tanz als Raum für Ausdruck, Begegnung und gemeinsames Wachstum zu entdecken.

12. & 13. Juni 2026
Staatstheater Darmstadt, Kammerspiele

TanzKlub 

Tanzklub: “how to move in between”

Foto: (c) Sinah Osner

 

Wir bewegen uns zwischen Zuständen: zwischen Freude und Schmerz, Nähe und Distanz, Jetzt und Vergangenheit. Dabei entstehen Zwischenräume – Orte des Übergangs, der Begegnung und des Wandels.

In der Präsentation bringen wir diese Fragen tänzerisch auf die Bühne – als Suche nach Antworten und als Aushalten von Offenheit.

Yi-Lun Chen-Czajor ist Tanzvermittlerin, Community Dance Anleiterin, DanceAbility Teacher und Performerin. Sie studierte Theaterwissenschaft in Mainz und verbindet seit vielen Jahren soziale Arbeit mit zeitgenössischem Tanz. Ihr Fokus liegt auf Inklusion: Mit kreativen und künstlerischen Ansätzen entwickelt sie vielfältige Tanzangebote für Menschen unterschiedlicher Hintergründe. In ihrer Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen schafft sie Räume, in denen Bewegung zur Sprache wird – ein Mittel des Ausdrucks, der Begegnung und des Miteinanders. Ihre Methoden basieren auf zeitgenössischem Tanz, Contact Improvisation und insbesondere DanceAbility. Mit eMotionConnect folgt sie ihrer Vision, Tanz als verbindende Kraft erlebbar zu machen und Räume zu öffnen, in denen alle willkommen sind.

TanzKlub: Flying Bodies

Foto: (c) Sinah Osner

Flying Bodies ist ein Tanzstück, das durch Zusammenarbeit entsteht – geprägt von denen, die anwesend sind, und von denen, die bei der Premiere nicht dabei sein konnten.
Es entspringt dem gemeinsamen Wunsch zu tanzen und zusammen zu sein – trotz unserer Unterschiede.

Was sich entfaltet, ist eine Begegnung von Einzigartigkeiten, eine Konstellation von Körpern, die Raum, Zeit und Erfahrung miteinander teilen.
Gemeinsam laden wir euch in diese Landschaft der Begegnungen ein, in der Individualität und Gemeinschaft nebeneinander bestehen und sich gegenseitig verwandeln.

Auf diesem Weg haben wir entdeckt, dass gemeinsames Bewegen auch eine Bewegung nach innen ist.
Durch geteilte Rhythmen und Gesten finden wir unerwartete Wege zu uns selbst – und zueinander, in Verbindungen, die über Worte hinausgehen.

Foto: (c) Sinah Osner

Zusammenarbeit bedeutet, Fürsorge zu praktizieren.
Es bedeutet, ebenso zuzuhören wie zu sprechen, übereinzustimmen und zu widersprechen, präsent zu bleiben in der Komplexität des Viele-Seins.
Demokratie wird hier gelebt, nicht verkündet – sie verlangt Geduld, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, Raum zu halten, damit jede Stimme hörbar wird.
Sie ist ein Akt des Respekts, der Verbundenheit und des Eintretens in die Welt der anderen.

Dieses Stück ist die Spur dieses Prozesses.
Eine gemeinsame Konstruktion.
Eine Ansammlung von Momenten.

Collage: (c) Nora Cremille

Laura Ahumada García ist eine südamerikanische Bewegungskünstlerin, Performerin und Improvisatorin.
Sie hat einen Masterabschluss in Zeitgenössischer Tanzpädagogik von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt sowie einen Bachelorabschluss von der London Contemporary Dance School (2016–2019).

Laura wurde in unterschiedlichen Kontexten ausgebildet und ist international tätig: Sie begann bereits in jungen Jahren mit dem Tanz in Chile, trat 2014 in einer Tanzkompanie in São Paulo, Brasilien, auf und arbeitete von 2019 bis 2021 professionell am Divadlo Studio Tanca in der Slowakei.

Seit 2021 ist sie als freischaffende Tänzerin und Choreografin tätig und arbeitet unter anderem mit Tamar Grosz (Berlin), Finn Lakeberg (Tanz Mainz), Regina Rossi (Brasilien–Deutschland) und Milena Wilke zusammen.
Zudem ist sie Mitbegründerin des Anhelo Collective (UK, Deutschland, Kolumbien) und präsentierte ihr Solo Madre & Tierra unter anderem bei Sommerwerft, Zukunft Tanzt (Frankfurt), dem Humanography Festival (Göteborg), Ponderosa (Brandenburg), Cordillera, Lush (Berlin) und Espacio Aquia (Santiago de Chile).

Ihre Lehr- und künstlerische Praxis ist stark geprägt von transkulturellen Erfahrungen und dem Arbeiten zwischen verschiedenen Ländern und Kontexten.
Im Fokus stehen dekoloniale und feministische Ansätze, Zugänglichkeit sowie ein Bewusstsein für Behinderung und unterschiedliche körperliche Voraussetzungen.

Dabei betont sie Spontaneität, Absurdität und Verbundenheit und erforscht, wie Bewegung auf unterschiedliche Kontexte und verkörperte Erfahrungen reagieren kann.

Tanzklub: AfroFusion

Foto: (c) Sinah Osner
Afrofusion mit ner Ladung Empowerment! Es geht um Selbstbewusstsein, Performance, Ausdruck ihrer Selbst und Bestimmung der eigenen Weiblichkeit bzw. Was das Konzept von Weiblichkeit überhaupt aussagt.
Während der Spielzeit 25/26 haben die Jugendlichen gemeinsam mit Debby die Tanzrichtung Afrofusion und ihre kulturellen Hintergründe erkundet, aber auch gelernt, was eigentlich so alles in ihnen steckt. Von Basic steps hin zum erlernen komplexer Choreografien bis zum Entwickeln eigener Choreografien – Debbz hat mithilfe von partizipativer Pädagogik die Mädchen Schritt für Schritt auf ihrem Weg begleitet, ihren Körper anders zu entdecken, ein neues Körper- und Gefühl für Weiblichkeit zu entwickeln und das Endprodukt nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Die Performance ist vielseitig und abwechslungsreich. Lehnen sie sich zurück und lassen sie sich berieseln aber auch überraschen.

Bilder: (c) Sinah Osner

Deborah Mintah unterrichtet seit Oktober 2020 Afrofusion in Darmstadt und hat sich fest in der Darmstädter Kulturszene eingenistet. Ihre Liebe zur Musik drückt sie nicht nur im Tanz aus, Debby singt auch. Tanz jedoch erachtet sie als wertvolles Tool, sich mit dem eigenen Körper in Einklang zu bringen und einen selbstbewussten Umgang mit ihm zu finden. Debby hat Politik an der TU Darmstadt studiert und ist darüber hinaus beruflich als Referentin für politische Bildung tätig. Ihre Expertise bezieht sich auf Diskriminierung in Kita und Schule.