issa

Wie können wir der Schwerkraft widerstehen – oder sie nutzen, um uns zu bewegen, oder uns ihr hingeben? Und wie rufen wir Zentrifugalkräfte hervor, wie können wir uns in ihnen bewegen und den Schwindel aushalten?

Zwei Menschen auf der Bühne, die Zentrifugalkräften und der Schwerkraft ausgesetzt sind – nicht nur in Beziehung zur „Mutter Erde“, sondern auch zueinander. Sie spielen mit ihrer Anziehung, ihrer Abstoßung und ihren Sehnsüchten. Wir laden ein zu einem Spiel mit dem Boden, mit Rotationskräften und mit der Gravitation zwischen uns.

(c) Bryce Rajkarnikar

Trailer

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Credits

Choreografie, Performance, Künstlerische Leitung: Pauline Michel & Miranda Rivière

Sound: Szymon Wójcik

Dramaturgische Beratung: Micaela Kühn, Malin Astner, Inaja Skands


Fotos: Bryce Rajkarnikar + Mit freundlicher Unterstützung von Den Danske Scenekunstskole

Video-Trailer: Gefilmt von Paavali Kärkkäinen, Geschnitten von Pauline Michel, Sound von Szymon Wójcik

Biografien

Miranda Josephine Rivière, *2002, wurde in der kleinen italienischen Stadt Urbino geboren und ist dort aufgewachsen. Zwischen 2017 und 2021 studierte sie Tanz am Balletto di Toscana in Florenz. Anschließend absolvierte sie ihren Bachelor in Dance and Choreography in Kopenhagen an der Den Danske Scenekunstskole (2021–24). Ein Jahr verbrachte sie dabei als Austauschstudentin am Royal Conservatory in Antwerpen. Sie lebt derzeit in Kopenhagen.

Pauline Michel, *1995 in Frankfurt am Main, schloss 2019 ihren Bachelor in Soziologie/Philosophie an der Universität Freiburg ab. 2020 begann sie ein Studium des zeitgenössischen Tanzes an der HfMT Köln. Später zog sie nach Kopenhagen, um an der Den Danske Scenekunstskolen zu studieren, wo sie im Sommer 2024 ihren Bachelor in Dance and Choreography abschloss. Während und nach ihres Studiums arbeitete Pauline unter anderem mit Reut Shemesh, Cristian Duarte, Doris Uhlich und Alma Söderberg zusammen. 2025 zog sie zurück nach Frankfurt, wo sie derzeit ihre berufliche Basis aufbaut.

Im Gespräch mit Pauline Michel

Was war der Ausgangspunkt für dein Stück, und gab es dabei besondere Herausforderungen? 

issa entstand aus einem Interesse an Schwerkraft, Drehbewegungen und Fliehkräften, wie wir uns zwischen diesen Kräften und vor allem in Beziehung miteinander bewegen. Es ist unsere erste gemeinsame Arbeit. So war es auch ein Prozess, herauszufinden, wie wir genau arbeiten wollen, was uns beide interessiert und hilfreiche Studio-Routinen zu entwickeln.

Wie beeinflussen Kooperationen mit Musiker:innen und Tänzer:innen deinen kreativen Prozess?

Die Musik stammt von Szymon Wójcik. Zu kollaborieren war klasse. Es war spannend zu beobachten, wie Musik das Bewegungsmaterial veränderte und teilweise in andere Kontexte rückte, oder neue Situationen oder Räume drumherum entstehen ließ.

Wie prägt deine Erfahrung als Tänzerin deine choreografische Praxis – und umgekehrt, wie beeinflusst das Choreografieren deine Arbeit als Tänzerin?
Für mich liegt beides ganz nah zusammen. Tanz und Choreografie sind nicht zwangsläufig getrennte Domänen. Als wir anfingen im Studio und an issa zu arbeiten, entstanden das Bewegungsmaterial und choreografische Überlegungen miteinander und das eine aus dem anderen: weil wir die körperliche Erfahrung des Bewegungsmaterials hatten, kamen uns Ideen, wie wir es anordnen können und auf Grund von choreografischen Überlegungen, experimentieren wir weiter mit dem Bewegungsmaterial. Dabei hatten wir das Glück, dass mehrere Leute als Outside-Eyes unsere Proben besuchten und so eine Perspektive von außen einnehmen konnten.

Hast du schon einmal kreative Blockaden erlebt? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Mir hilft es sehr, nicht alleine zu arbeiten und sich gegenseitig auf neue Ideen zu bringen. So bin ich nicht nur auf mich und meine eigenen Vorstellungen zurückgeworfen. Wenn ich alleine arbeite und es eng wird, versuche ich meistens mit etwas anderem weiterzumachen, etwas, das mir Spaß macht, oder nur den Ort zu wechseln. Das hilft häufig schon.

Beeinflussen die aktuellen Kürzungen in der Kulturförderung deine Arbeit? Und wenn ja, auf welche Weise?

Ich nehme die jetzige Zeit als enorme Krise in der Tanzszene wahr. Ich selbst spüre, dass es wenig Jobs gibt, weil Choreograf*innen nicht genug Förderungen erhalten und Programme, die es gab, plötzlich wegfallen. Für den Anfang in der freien Szene ist es schwer, Fuß zu fassen und bei all der Frustration nicht aufzugeben und auch, sich dabei finanziell über Wasser zu halten.

Bezogen auf die Stücke in unserem Programm Work in Progress: Wann und wie entscheidest du, dass ein Stück fertig ist – oder glaubst du, dass ein Stück überhaupt jemals vollständig abgeschlossen ist?

issa war so gesehen schon mal fertig und hatte Premiere. Ich finde es dennoch spannender, das  Stück nicht als abgeschlossen zu betrachten – als ein Stück, das wir bloß wiederholen. Es verändert sich mit den Aufführungen und den Orten, an denen wir sind und fordert dabei unsere Aufmerksamkeit und Präsenz. Ich denke, dass es nie ein ready-made wird.