{"id":3891,"date":"2023-10-08T16:30:36","date_gmt":"2023-10-08T14:30:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/?p=3891"},"modified":"2023-10-08T16:39:33","modified_gmt":"2023-10-08T14:39:33","slug":"stellungnahme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/de\/aktuelles\/stellungnahme\/","title":{"rendered":"Stellungnahme"},"content":{"rendered":"<div class=\"ce ce-onecol       \">\n\t<div class=\"container\">\n\t\t<div class=\"row\">\n\t\t\t<div class=\"col\">\n\t\t\t\t<h2><b>Wie stehen die Leitungen des Hessischen Staatsballetts und der Staatstheater Darmstadt und Wiesbaden aus Anlass der Premiere von Ohad Naharins &#8222;Last Work&#8220; in Darmstadt zu den Vorw\u00fcrfen von Wiebke H\u00fcster in der FAZ vom 7. Oktober 2023?\u00a0<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">In seinen Choreografien feiert Ohad Naharin mit T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzern eine schwindelerregende Vielfalt von Gef\u00fchlen und Gedanken. Wiebke H\u00fcster schrieb zu seinem 70. Geburtstag 2022: &#8222;<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Dem Tanz Naharins zuzuschauen, ist wie in seinen Bewusstseinsstrom einzutauchen, in dem Fragmente unseres kollektiven Bewegungsged\u00e4chtnisses so neu phrasiert und aneinandergef\u00fcgt sind, dass wir uns wiedererkennen in diesen T\u00e4nzen. Pl\u00f6tzlich macht es Sinn, dass wir so zerrissen sind. Dass wir eine Gemeinschaft bilden wollen und ohne Gemeinschaft nicht leben k\u00f6nnen, dass diese aber auseinanderzubrechen droht.&#8220;<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Niemand, der mit Herz und Hirn ein Tanzst\u00fcck von Ohad Naharin erlebt, kann ernsthaft glauben, irgendetwas daran k\u00f6nne als Unterst\u00fctzung von Russlands gegenw\u00e4rtigem Regime verstanden werden. Wir sind nicht naiv: Nat\u00fcrlich kann ein Regime die Namen gro\u00dfer K\u00fcnstler*innen missbrauchen. Aber wir glauben auch an jene faszinierende, zivilisatorische Kraft der Sch\u00f6nheit der Kunst, die Wiebke H\u00fcster 2022 bei Ohad Naharin so anschaulich beschrieben hat. Jede einzelne Auff\u00fchrung einer Choreografie von Ohad Naharin in Russland widerspricht den Werten von Putin und wird von jenen verstanden, die auch in Russland f\u00fcr Menschenrechte und Vielfalt stehen. Sollen Menschen in Russland keine Tanzst\u00fccke sehen d\u00fcrfen, die die Vielfalt, die Humanit\u00e4t, die Fragilit\u00e4t des Menschen in Kunst verdichten, weil ihr Regime, ihr Land einen entsetzlichen, verbrecherischen Angriffskrieg gegen die Ukraine f\u00fchrt? Greifen wir als n\u00e4chstes Schriftsteller*innen an, die \u00dcbersetzung und Verkauf ihrer B\u00fccher in Russland nicht beenden?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wir haben keinen Anla\u00df an der moralischen Integrit\u00e4t des gro\u00dfen K\u00fcnstlers Ohad Naharin zu zweifeln. Sollen wir jetzt K\u00fcnstler danach engagieren, wie viel moralischen Gratismut sie durch symbolische Aktionen bewiesen haben? Oder eher K\u00fcnstler, die ihr ganzes Leben die Zusammenarbeit mit jenen gesucht haben, die f\u00fcr Menschenrechte und gegen Totalitarismus und Gewalt stehen und deren Kunst davon k\u00fcndet?\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Frage, ob ein westlicher Choreograf seine Auff\u00fchrungsrechte f\u00fcr Russland verl\u00e4ngert oder k\u00fcndigt, l\u00e4sst sich sicher differenziert diskutieren. Viele K\u00fcnstler*innen, die das entscheiden m\u00fcssen, machen es sich nicht einfach. Aber macht es irgendetwas besser, nun aus sichererer Entfernung diese K\u00fcnstler*innen moralisch zu beurteilen? Oder dient der Wettbewerb in moralischer Selbstgerechtigkeit nur dazu, sich selbst besser zu f\u00fchlen? Sollten wir nicht besser \u00fcber Realpolitik diskutieren und dar\u00fcber schreiben, was wirklich gegen diesen Krieg helfen w\u00fcrde: alles zu tun, um weniger Energie aus Russland zu kaufen. Die immensen Milliarden-Zahlungen f\u00fcr unsere Energie st\u00e4rken das Regime und den Krieg, nicht Auff\u00fchrungen von Ohad Naharins Choreografien in Russland.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Heute sind unsere Gedanken und unsere Solidarit\u00e4t bei den Menschen in Israel, bei den Verwandten von K\u00fcnstler*innen und Mitarbeiter*innen unseres Theaters, bei der Batsheva Dance Company und Ohad Naharin. Die Premiere von &#8222;Last Work&#8220; hat erleben lassen, wie viel von dieser Welt Ohad Naharin als hellsichtiger K\u00fcnstler in seine Kunst aufgesogen hat und warum wir f\u00fcr das Hessische Staatsballett Ohad Naharin und &#8222;Last Work&#8220; eingeladen haben. Wir sind froh, dass das Hessische Staatsballett &#8222;Last Work&#8220; tanzen darf.\u00a0<\/span><\/p>\n<h2><b>W<\/b><b>arum h\u00e4lt das Hessische Staatsballett daran fest, eine Choreografie von Marco Goecke aufzuf\u00fchren?<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Selbstverst\u00e4ndlich verurteilen das Hessische Staatsballett und die Staatstheater Darmstadt und Wiesbaden den t\u00e4tlichen Angriff von Marco Goecke auf die Journalistin Wiebke H\u00fcster. Wir verurteilen dies auch als Angriff auf die Pressefreiheit, die als ein hohes Gut zu respektieren ist. Wir finden richtig, dass Marco Goecke daf\u00fcr rechtlich und beruflich bestraft wurde und wird. Wir finden richtig, dass er die Verantwortungsposition als Ballettdirektor in Hannover aufgeben musste. Dass Menschen bereuen, sich wandeln und bessern k\u00f6nnen, ist zentral f\u00fcr unser Rechtssystem und unser Menschenbild. Daf\u00fcr soll eine Strafe angemessen sein. Das Ziel von Strafe ist daher nicht Rache oder Bestrafung, sondern Erkenntnis, Resozialisierung und Besserung. Das halten wir f\u00fcr eine wesentliche zivilisatorische Errungenschaft. Von dieser Errungenschaft und von der menschlichen F\u00e4higkeit zur Verwandlung handeln viele gro\u00dfe Kunstwerke, die wir auf die B\u00fchne bringen. Hinter der B\u00fchne zugleich K\u00fcnstler*innen immer weiter abzustrafen, entspricht nicht unseren Werten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><a class=\"link-more\" href=\"https:\/\/zeitung.faz.net\/faz\/feuilleton\/2023-10-07\/8fe6972fa2bae5447aaa7a623475db6b\/?GEPC=s9\">Zum Artikel<\/a><\/p>\n<p><br style=\"font-weight: 400;\" \/><br style=\"font-weight: 400;\" \/><\/p>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":5,"featured_media":3899,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3891","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3891","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3891"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3891\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3925,"href":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3891\/revisions\/3925"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3899"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3891"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3891"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hessisches-staatsballett.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3891"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}