„When we Collide“ erforscht den Abdruck einer Umarmung – einer, die ersehnt, erinnert und verzweifelt gebraucht wird. Es beginnt mit Abwesenheit: einer fehlenden Umarmung, die im Körper nachhallt wie die Spur von etwas einst tief Empfundenem. Im Verlauf der Bewegung wird die Suche nach dieser verlorenen Verbindung zunehmend dringlich, beinahe unerträglich. Was als sanfte Erinnerung beginnt, wird zu einer Notwendigkeit – einem körperlich spürbaren Verlangen. Das Stück erreicht seinen Höhepunkt in einer kraftvollen Kollision – einer Umarmung, so intensiv, dass sie an Zerstörung grenzt.
Dauer: ca. 15 Min.
Choreografie: Alessio Damiani
Tänzer: Enzo Boffa and Alessio Damiani
Musik: Path 5 , Max Richter
Trailer / Video-Reel: Videoaufnahme von Alessandro de Matteis, Geschnitten von Alessio Damiani
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Alessio Damiani wurde in Palermo, Italien, geboren, wo er auch zu tanzen begann. Im Alter von 18 Jahren wechselte er zum Agora Coaching Project in Reggio Emilia unter der Leitung von Michele Merola und Enrico Morelli. Seit 2013 arbeitete er als freischaffender Tänzer in seinem Heimatland sowie in Deutschland, bevor er im März 2017 zunächst als Gast zum Hessischen Staatsballett kam und nun seit der Spielzeit 2017/18 festes Ensemblemitglied ist.
Alessio Damiani arbeitet zeitgleich auch an seiner Karriere als Choreograph. Im Juni 2023 kreierte er das Stück „Burdens of Being“ für den Jungchoreographenabend des Hessischen Staatsballetts, Startbahn. Das entstandene Stück wurde beim Barnes Crossing Festival SoloDuo in Köln ausgezeichnet, wo er den ersten Preis erhielt. Es wurde auch bei Beta Publica während der 39. Ausgabe des Festivals Madrid en Dansa gezeigt und wurde für den 38. Internationalen Wettbewerb für Choreographie in Hannover ausgewählt. Es erhielt den zweiten Preis beim Concurso Coreográfico Burgos y Nueva York, sowie eine Einladung zum Tanz Biennale Festival 2025 in Heidelberg und eine Residenz am Centro Coreografico la Gomera auf den Kanarischen Inseln. Demnächst wird das Stück auf der Quinzena de Dança de Almada in Portugal präsentiert.

Enzo Boffa, 22 Jahre alt und kommt aus Frankreich. Seine Reise zum Tanz begann im Alter von 8 Jahren, als er seinen Kimono und Fußball gegen ein Paar Tanzschuhe tauschte. Von diesem Moment an fühlte sich das Tanzen für ihn wie ein natürlicher Weg an. Mit 15 Jahren zog er nach Paris, um seinen Traum von einer professionellen Tanzkarriere zu verwirklichen. Vier Jahre lang arbeitete er freiberuflich und spezialisierte sich auf urbane Stile, zeitgenössischen Jazz und modernen Tanz. Seine Leidenschaft für das Lernen trieb ihn dazu, viel zu reisen und Workshops zu besuchen, immer auf der Suche, seinen Horizont zu erweitern und sein Verständnis von Tanz zu vertiefen. Er hatte das Privileg, mit einer Vielzahl von Tänzern und kleinen Kompanien zu arbeiten. Sein Wunsch nach mehr kreativem Ausdruck führte mich zu Codarts in Rotterdam, wo er 2021 aufgenommen wurde. Seit dieser Spielzeit ist er als Praktikantin am Hessischen Staatstheater.
Was war der Ausgangspunkt für dein Stück und gab es dabei besondere Herausforderungen?
Als ich begann, an „When we collide“ zu arbeiten, hatte ich ein klares Bild vor Augen – eine Umarmung. Ich versuchte, die Empfindungen und Gefühle davon zu erforschen, wie sie sich im Laufe der Zeit verändert und was sie zwischen zwei Menschen entstehen lassen kann.
Wie beeinflussen Kooperationen mit Musiker:innen und Tänzer:innen deinen kreativen Prozess?
Für mich ist die Beziehung zwischen Musik/Musiker:innen und Tanz sehr stark. Es war eines der ersten Male, dass ich Musik verwendet habe, die nur wenige Bezugspunkte hat – fast wie ein Hintergrund. Meine Wahl fiel auf Path 5 von Max Richter, weil dieses Stück mir immer wieder Gänsehaut und das erinnernde Gefühl einer Umarmung vermittelt hat.
Wann hast du begonnen, Choreografie als möglichen beruflichen Weg für dich zu sehen?
Ich habe es schon immer geliebt zu kreieren und hatte während meiner Zeit beim Hessischen Staatsballett oft die Möglichkeit dazu. 2023 schuf ich das Duett Burdens of Being, das bei vielen choreografischen Wettbewerben große Anerkennung fand, darunter beim 38. Choreographischen Wettbewerb in Hannover und beim CICBUNY in Burgos, sowie bei Festivals wie der Quinzena de Dança de Almada, der Tanzbiennale Heidelberg und kürzlich beim Festival de Danse de Cannes. Irgendwie fühlt es sich für mich jetzt wie der richtige Moment an, tiefer einzutauchen und weiter zu erforschen.
Wie prägt deine Erfahrung als Tänzer, deine choreografische Praxis und umgekehrt: Wie beeinflusst das Choreografieren deine Arbeit als Tänzer?
Da ich selbst noch Tänzer bin, arbeite ich vor allem auf eine andere Weise mit den Künstler:innen, mit denen ich meine Zeit teile. Ich habe ein Verständnis dafür, wie sie sich fühlen könnten, und stelle während der Proben immer zuerst ein gutes Arbeitsklima in den Vordergrund. Als Tänzer versuche ich nun, von den Choreograf:innen, mit denen ich gearbeitet habe, sowohl die positiven als auch die herausfordernden Aspekte ihrer Arbeits- und Kunstpraxis mitzunehmen, um daraus meine eigene Herangehensweise zu formen – entsprechend meinen Überzeugungen.
Gibt es etwas Bestimmtes, das du dem Publikum mit diesem Stück vermitteln möchtest?
Dieses Gefühl einer Umarmung unter ihrer Haut zu spüren – dabei an eine Person zu denken, die nicht mehr da ist oder einfach nur weit weg, und die sie nur zu gerne noch einmal umarmen würden.
Wie wählst du den Titel für dein Stück aus?
Ich kam zu dem Titel When we collide, als ich darüber nachdachte, dass eine Umarmung nicht nur eine positive Seite hat, sondern auch, wie sie physikalisch entsteht: Zwei Körper, die kollidieren und dadurch eine Umarmung erzeugen.
Wie siehst du die Zukunft der Choreografie als Kunstform?
Ich hoffe, mit meinen zukünftigen Arbeiten eine Stimme zu haben – eine künstlerische Stimme, um gesellschaftliche Probleme anzuprangern, aber auch einfache Empfindungen und Emotionen sichtbar zu machen, die manchmal verborgen bleiben, während wir durch unser Leben rasen, als wäre es eine Achterbahn.
Bezogen auf die Stücke in unserem Programm Work in Progress: Wann und wie entscheidest du, dass ein Stück fertig ist – oder glaubst du, dass ein Stück überhaupt jemals vollständig abgeschlossen ist?
Nun, ich dachte, das Stück wäre bereits vor Monaten abgeschlossen gewesen, als ich es uraufgeführt habe. Aber jetzt habe ich die Möglichkeit, eine neue, längere Version zu entwickeln, um noch tiefer einzutauchen und herauszufinden, ob ich weitere interessante Bedeutungen einer Umarmung entdecken kann.
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