AS THE WIND TAKES ME

„Ich spüre, wie mein Körper übernommen wird, vom Boden gehoben wie ein Blatt, das der Wind trägt.

Ich kann es nicht kontrollieren, ich kann es nicht aufhalten.

Es wächst und dehnt sich aus, trägt mich höher – schneller, stärker

– so wie auch die Emotionen in mir aufsteigen und sich entfalten.“

 

 

(c) Tatsuki Takada

Credits

Choreografie, Licht, Dramaturgie: Marcos Novais
Tänzer: Marcos Novais

Biografie

(c) De-Da Productions

Der Brasilianer Marcos Novais erhielt intensives klassisches wie zeitgenössisches Ballett- und Jazztraining von 2003 bis 2010. Er zog 2011 nach São Paulo um seine Tanzausbildung am Pavilhão Art Center abzuschließen und als Apprentice bei der Companie Divinadanca anzufangen. Seither war Novais Tänzer bei der Cisne Negro Dance Company 2012/13, bei Bale da Cidade de São Paulo von 2013-2017 und beim Ballett Augsburg von 2017-2019. Seit der Spielzeit 2019/20 ist er Tänzer im Ensemble des Hessischen Staatsballetts.

Im Gespräch mit Marcos Novais

Was war der Ausgangspunkt für dein Stück und gab es dabei besondere Herausforderungen?

Meine Inspiration kommt meistens aus Lebenserfahrungen, Beziehungen und realen Ereignissen – auch wenn das Endergebnis für das Publikum sehr abstrakt wirkt. Der Kern des Stücks entsteht aus Momenten und Situationen, die ich gerade selbst erlebe.

Eine große Herausforderung für mich ist es immer, auf meinem eigenen Körper zu choreografieren. Ich bin oft unsicher und inkonsequent, weil ich jedes Mal, wenn ich etwas kreiere, sofort eine neue Version finde, die interessanter wirkt. Es ist schwer zu entscheiden, welche besser ist – die erste Idee oder die letzte.

Wann hast du begonnen, Choreografie als möglichen beruflichen Weg für dich zu sehen?

Als ich jung war, unterrichtete ich Kinder im Tanz und musste jedes Jahr Choreografien für ihre Abschlussaufführungen erstellen. Damals habe ich meine Leidenschaft für die Choreografie entdeckt. Ich bin dankbar, dass ich diesen Weg seit einigen Jahren weiterentwickeln darf – sowohl mit professionellen Tänzer*innen als auch in meiner eigenen Arbeit.

Wie prägt deine Erfahrung als Tänzer, deine choreografische Praxis und umgekehrt: Wie beeinflusst das Choreografieren deine Arbeit als Tänzer?

Ich habe das Gefühl, dass meine Choreografien so entstehen, wie mein Körper und mein Inneres sich bewegen und ausdrücken möchten. Meine Erfahrung als Profitänzer beeinflusst meine Arbeit stark – sie gibt mir eine solide Technik und ein kritisches Auge dafür, wie Bewegungen ausgeführt werden sollten.

Gleichzeitig prägt das choreografische Denken auch mein Tanzen. Meine Erfahrungen als Tänzer sind fast immer in meinen choreografischen Entscheidungen spürbar, oft sogar unbewusst.

Gibt es etwas Bestimmtes, das du dem Publikum mit diesem Stück vermitteln möchtest?

Für mich ist Tanz eine Kunstform, in der Schauspiel, Gesang und Bewegung zusammengehören. Jede Art, wie der Körper Emotion und Leben auf die Bühne bringt, ist Tanz. Ich lade das Publikum ein, zu fühlen, was immer es fühlen möchte – ohne Erwartungen.

Wie wählst du den Titel für dein Stück aus?

Das ist jedes Mal anders. Meistens entsteht der Titel jedoch metaphorisch aus dem Thema oder der Idee, die die Inspiration für das Stück bildet.

Bezogen auf die Stücke in unserem Programm Work in Progress: Wann und wie entscheidest du, dass ein Stück fertig ist – oder glaubst du, dass ein Stück überhaupt jemals vollständig abgeschlossen ist?

Ich glaube nicht, dass ein Stück jemals vollständig fertig ist. Was wir zeigen, ist einfach die bestmögliche Version für diesen Moment und diese Situation. Ich bin immer zufrieden mit dem Ergebnis, aber ich sehe immer auch neue Möglichkeiten.

Die Version, die man am Ende sieht, ist nie genau die erste Idee, die ich zu Beginn hatte. Und selbst nach der Premiere, wenn ich das Stück wieder anschaue, stelle ich mir immer neue Versionen vor, die ebenfalls möglich wären.