Lebenslicht

Eine Choreografie von Matthew Tusa

Eine Reise durch den Prozess des Sterbens, des Sich-Verbindens und des Loslassens von
Matthew Tusa

Der Tod. Wir alle werden ihm begegnen. Können uns seiner sicher sein. Er ist unausweichlich –
und doch sprechen wir kaum über ihn. Wir schieben ihn beiseite, behandeln ihn als Tabuthema –
als etwas, das vermieden, hinausgezögert oder verleugnet wird. Doch was wäre, wenn man nur
noch kurze Zeit zu leben hätte?

In der Palliativmedizin werden Menschen mit dieser Wahrheit direkt konfrontiert. Dort ist Heilung
nicht mehr das Ziel. Der Fokus verlagert sich auf Schmerzlinderung, Fürsorge, Trost und Würde –
auf die Lebensqualität dieser letzten Lebensmomente.

Dieses Tanzstück widmet sich genau diesen Momenten: Inspiriert von den bewegenden
Geschichten auf der Palliativstation und den berührenden Einblicken, wie sich Menschen mithilfe
der Musiktherapie in ihren letzten Lebensphasen öffnen, taucht es tief in die vielschichtigen
Gefühlswelten ein. Ein „Lebenslicht“ am Abend.

„Das Leben ist angenehm. Der Tod ist friedlich. Der Übergang ist das Problem.“ – Isaac Asimov

Am 28.03. gibt es um 19:10 Uhr eine Einführung und nach der Vorstellung auch ein Nachgespräch mit den Künstlern. 

(c) Reinhold Fischenich

Teaser

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Credits

Choreografie: Matthew Tusa mit dem Ensemble

Tänzer:innen: Carlos Díaz, Paige Perry, delta RA’i, Verena Wilhelm

Musikerin: Sung-Eun Lee, Johannes Gutmann

Initiatorin und Wegebnerin: Grit Schade

Gefördert durch Dance Nexus e.V. und das Kulturamt Wiesbaden.

Mit herzlichem Dank an Karin Dietrich, Dr B.O. Maier, das Hinterbergwerk und an die Patient*innen der Palliativstation, deren persönliche Erfahrungen wir künstlerisch verarbeiten durften.

Bio

 

 

Matthew Tusa

Seine Mission ist es, die Erfahrung des Tanzes zu vertiefen, indem er kraftvolle, emotionale Tanzstücke schafft, die ein breites Publikum unterhalten und ansprechen.

In Australien geboren, lebt Matthew seit 2005 in Wiesbaden. Nach einer 14-jährigen Karriere als Solotänzer bei renommierten Kompanien wie der Deutschen Oper am Rhein, dem Königlich Schwedischen Ballett, dem Ballet Madrid sowie mit dem Ballett des Hessischen Staatstheater Wiesbaden war er international für Opern- und Tanzkompanien in Österreich, Deutschland, den USA und seiner Heimat Australien als Choreograf tätig.

Seit 2018 gestaltet er zweimal im Jahr Tanzprojekte der freien Szene in Wiesbaden mit Unterstützung des Kulturamts Wiesbaden, oft in Zusammenarbeit mit der Gruppe LightArtDance. Er erhielt das “Projektstipendium Internationale Maifestspiele” 2021 und 2024 und verschiedene Förderungen u.a. ein “Brückenstipendium” der Hessische Kulturstiftung und “Distanz Solo” der Neustart Kultur/Dachverband Tanz.

www.matthewtusa.com

 

 

Carlos Díaz

Carlos Díaz ist ein peruanischer Tänzer und Choreograf, der seit 2021 in Frankfurt am Main lebt. Er erhielt seine klassische Ballettausbildung an der Ellison Ballet School in New York City. Von 2015 bis 2020 tanzte Carlos Díaz beim Nationalballett von Peru in Lima. Seit seinem Umzug nach Frankfurt arbeitet er freischaffend und war unter anderem als Gasttänzer an der Oper Frankfurt, am Landestheater Detmold sowie am Hessischen Staatstheater Wiesbaden engagiert.

Als Choreograf präsentierte er eigene Arbeiten beim Sommerwerft-Festival, beim Frankfurt Tanzt Festival, bei Freier Tanz im Delta XIII & XIV (Mannheim) und beim DanceNexus Festival (Wiesbaden). Zudem zeigte er seine Stücke im Gallus Theater Frankfurt.

 

 

Paige Perry

Paige Perry wurde in den USA geboren. Ihre Ballettausbildung bekam sie in Milwaukee, Wisconsin, ihr erstes Engagement war am Milwaukee Ballet. Nach einem zweijährigen Engagement am Hartford Ballet, wechselte sie ans Hamburg Ballett unter John Neumeier. Nach knapp 5 Jahren am Hamburg Ballett ging sie zurück in die USA, wo sie Ensemble-Mitglied am San Francisco Opera Ballet wurde. Zur gleichen Zeit wurde sie Gründungsmitglied der Lines Dance Company unter Alonso King.

Fünf Jahre später ( und nach der Geburt ihrer ersten zwei Kinder) siedelte sie wieder um nach Europa, wo sie zunächst als Solistin am Ulmer Ballett engagiert war. Später wechselte sie als Solotänzerin ans Staatstheater Wiesbaden.

Nach Beendigung ihre aktiven Tanzkarriere absolvierte Paige Perry eine Ausbildung zur Tanz-und Bühnenpädagogin an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt, die sie mit einem Diplom abschloss.

Von 2000 bis 2022 leitete Paige Perry die Ballett Akademie Wiesbaden.

 

delta RA’i

delta RA’i ist seit Ende der 70er Jahre als Performer, Tänzer, Choreograf, Art Director sowie Licht-, Bühnen- und SM-Künstler tätig.

Seit 1985 widmet er sich dem japanischen Butoh-Tanz und gründete 1988 in Berlin die erste deutsch-japanische Tanzkompanie: tatoeba-THÉÂTRE DANSE GROTESQUE (tatoeba.de) mit Minako Seki und Yumiko Yoshioka.

Seit 1995 kuratierte er zusammen mit Yumiko Yoshioka auch das internationale Butoh-Tanz-Austausch- & Performance-Festival eX…it! (exit.tatoeba.de), das bis 2019 alle 4 Jahre auf Schloss Bröllin/Deutschland stattfand.

1998 begann er, sich dem interaktiven Tanz im öffentlichen Raum mit rituellen Fußwaschungen (feetwash.de) zu widmen und lernte dadurch Felix Ruckert (felixruckert.de) kennen, mit dem er seit 2000 als Tänzer, Performer und Dozent zusammenarbeitet.

Seit 2019 arbeitet er zusammen mit seiner Liebespartnerin Julia an diversen Performances und Workshops rund um Körperlichkeit in Lust, Schmerz und Vergänglichkeit, Authentizität und Sexualität. Speziell dem Thema Sterben und Tod widmet er immer mehr, vor allem auch künstlerische Aufmerksamkeit, besonders seit er ab 2023 als ehrenamtlicher SterbeBegleiter in einem Hospiz arbeitet.

 

 

Verena Wilhelm

Verena Wilhelm ist freischaffende, zeitgenössische Tänzerin und Tanzpädagogin. Sie studierte Bühnentanz in Berlin und arbeitet seitdem mit verschiedenen Choreograph*innen der freien Szene, zudem war sie für mehrere Spielzeiten Gast am Schauspiel Stuttgart und dem NTM Mannheim. Sie ist Preisträgerin des renommierten International Solotanztheater Festivals Stuttgart, ihre eigenen Arbeiten wurden zudem u.a. von den Sophiesälen Berlin und dem LOFFT Leipzig eingeladen.

In den letzten Jahren legte sie ihren Fokus verstärkt auf den Bereich der Tanzvermittlung – zur Vertiefung absolvierte sie ein Masterstudium in Tanzpädagogik an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden. Seitdem bewegt sie sich konstant zwischen verschiedenen Tanzvermittlungskontexten und der kreativen Bühnenarbeit als Tänzerin, Choreographin und choreographischen Assistenz – und entdeckt dabei beständig neue, inspirierende Synergien.

 

 

Sung-Eun Lee

Sung-Eun Lee wurde in Seoul, Südkorea, geboren und absolvierte ihren Masterstudiengang Musiktherapie an der University of Applied Sciences Frankfurt am Main. Sie ist Musiktherapeutin, DMtG (Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft) qualifiziert, und Heilpraktikerin für Psychotherapie mit Zusatzqualifikationen in Musik-Traumatherapie, Neurologischer Musiktherapie (NMT) nach Thaut und Musiktherapie im palliativen Kontext. Seit 2014 arbeitet sie als Musiktherapeutin in der Palliativmedizin und ist derzeit an der Universitätsmedizin Mainz sowie am St. Josefs-Hospital Wiesbaden tätig. Zwischen 2018 und 2020 führte sie musiktherapeutische Interventionen im Rahmen der SOL (Song of Life)-Studie durch. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Begleitung von Menschen in belastenden Lebensphasen, wobeisie musiktherapeutische Methoden zur emotionalen Entlastung, Stabilisierung und Förderung der Lebensqualität einsetzt. Dabei legt sie besonderen Wert auf eine achtsame, ressourcenorientierte und individuell abgestimmte Begleitung.

Im Gespräch mit Matthew Tusa

Was bedeutet es, innerhalb der freien Szene in Wiesbaden und der umliegenden Region zu arbeiten und Stücke zu entwickeln?

Ich glaube, es gibt viele Möglichkeiten, in Wiesbaden und der umliegenden Region zu arbeiten und Stücke zu entwickeln. Wiesbaden ist seit 20 Jahren meine Heimat und ich nutze die Gelegenheiten, die hier entstehen. Ich bringe Menschen zusammen, drücke mich selbst aus, schaffe Stücke und versuche, die mir zur Verfügung stehenden Mittel voll auszuschöpfen.

Um das zu erreichen, ist Eigenantrieb wichtig. Es geht darum, Möglichkeiten zu eröffnen, in denen ich selbst entscheide, was und wie ich kreiere und gestalte. Das ist, wo ich als Wiesbadener Künstler stehe: die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen herauszuarbeiten und zu schaffen. Dies ist der organisatorischen und managementseitigen Seite geschuldet, die mir Auftrittsmöglichkeiten und Vorstellungen erlaubt, um meine eigenen Choreografien zu präsentieren.

Was war der Ausgangspunkt für dein Stück und gab es dabei besondere Herausforderungen?

Der Ausgangspunkt für „Lebenslicht“ war ein Treffen mit Song-Eun Lee, einer Musiktherapeutin auf den Palliativstationen in Wiesbaden und Mainz.

Als ich von ihrer Arbeit und dem Thema Palliativmedizin hörte, fand ich es sehr spannend. Das Thema an sich, den Tod und den Prozess des Sterbens hat unglaublich viel tiefe. Es hinterfragt unsere Einstellungen, unseren Glauben und unsere Bedürfnisse sowie unsere Herangehensweise an den Tod.

Das Thema war neu für mich, denn ich hatte mich bis dahin noch nicht wirklich damit auseinandergesetzt. Ich finde das Thema sehr naheliegend und existenziell und denke, dass die Auseinandersetzung dabei hilft. Es geht nicht nur um eine Zeit in der Zukunft, sondern darum, wie ich mein Leben jetzt lebe. Es hat mich gezwungen, meine eigenen Werte und meinen Glauben zu hinterfragen und zu überlegen, was mir wichtig ist. Der neu gefundene Wert für Zeit, Verbindung und Leben im Moment bringt Bedeutung und Tiefe und eine Dankbarkeit. Die Veränderung bzw. Wiedererkennung meiner Einstellung und Perspektive dem Tod gegenüber möchte ich in Gedanken und Ideen teilen. Durch meine choreografische Arbeit und meine Stücke öffne ich einen Raum und stelle die Frage: Wie seht ihr das? Was denkt ihr? Ich finde es wichtig, solche Themen darzustellen und den Zuschauern den Raum zu geben, ihre eigene Meinung und ihre eigenen Gedanken zu formulieren.

Ich habe Sung-Eun kennengelernt. Sie hat viel von ihren Erfahrungen und ihrer Arbeit erzählt. Ich fand es sehr emotional, erweiternd, bedeutsam und sorgfältig, was sie macht. Es gibt auch viele Zusammenhänge mit dem, was mir als Choreograf wichtig ist: Emotionen zu zeigen, zu bearbeiten und auszudrücken. So entsteht ein Raum für das Thema, über das in meinem Umfeld nicht viel gesprochen wird. Ich habe das Bedürfnis, mich damit auseinanderzusetzen und diesen Raum zu öffnen.

Wie stellst du dir die Entwicklung der Freien Szene in Wiesbaden in den nächsten fünf Jahren vor? Welche Vision hast du für die Zukunft?

Ich denke, die freie Szene hat mit der Unterstützung der Akteure viele Chancen, sich hier in Wiesbaden weiterhin zu entwickeln. Damit meine ich konkret die lokale Freeszene in Wiesbaden. Menschen, die hier leben und arbeiten. Ich glaube, es gibt Möglichkeiten. Es ist eher eine Frage der Organisation, Energie und des Willens, Zeit zu investieren, ohne große Sicherheit zu haben, um Nachhaltigkeit zu schaffen.

Vieles in der Freien Szene wird durch freiwillige Arbeit geleistet, und genau da scheitert es oft an der Realität. An Leidenschaft fehlt es nicht.

Ich denke, wir haben in den letzten Jahren bereits große Fortschritte erzielt. Was ich bemerke, ist, dass es genügend Künstler gibt. Um die freie Szene zu repräsentieren, sind Initiativen wie der Dance Nexus e. V. entstanden. Es gibt Initiativen, die Tanzkünstler vernetzen und Selbsthilfe fördern. Am meisten scheitert es an der Infrastruktur, dem Zugang und dem Wissen. Da ich aus dem Theaterbereich komme, habe ich einen Vorteil, trotzdem gibt es immer wieder neue Dinge für mich. Ich kann mir nur vorstellen, dass es für andere noch überfordernder ist. Hier hilft die Vernetzung. Die Vernetzung bringt dem Tanz mehr Sichtbarkeit und Gemeinsamkeit und hoffentlich auch mehr Engagement mit dem Tanzpublikum. Das finde ich toll! Ein Beispiel ist das „Tanznah“-Festival, das entstanden ist. Ich hoffe, dass alles aufeinander aufbaut.

Ich glaube, am hilfreichsten für die Weiterentwicklung wäre es, feste Orte (für Proben und Aufführungen) und Termine sowie Fördermöglichkeiten zu haben, wo Künstler ihre Arbeit ohne zu viel zusätzlichen Aufwand machen können. Auch Plätze, an denen man sagen kann: „Hier gehe ich hin und schaue Tanz in all seinen Formen an.”

Es gibt auch viele Möglichkeiten für weiter Kollaborationen, wie zum Beispiel mit dem Staatstheater bei diesem Festival in der Wartburg. Den Festival biete Raum für Tanzschaffende, in Wiesbaden zu arbeiten und sich zu präsentieren. Tanz ist eine lebendige Kunstform, und durch diese Möglichkeiten bleibt sie sichtbar, aktuell und kreativ.

Was meine eigene Zukunft betrifft, ist alles offen. In Wiesbaden bleibe ich mit meinen Kindern und meiner Familie. Als Künstler, bleibe ich im Moment hier und gehe von einem Projekt zum nächsten. Ich lasse mich von meinen Interessen leiten und schaue, welche Mittel ich dann brauche, um sie auszudrücken. Es ist ein langwieriger Prozess, Menschen, Orte und Mittel zusammenzubringen, aber es ist mir sehr erfüllend.

Wie beeinflussen Kooperationen mit Musiker:innen und Tänzer:innen deinen kreativen Prozess?

Ich bin, muss ich sagen, ziemlich eigenständig, was die Entwicklung der Grundidee angeht. Von Anfang an wähle ich ein Thema aus, zu dem ich etwas ausdrücken möchte. Ich tauche tief ein, setze mich mit allen gesammelten Informationen auseinander und frage mich, welche Aspekte mir wichtig sind und was ich gerne ausdrücken möchte. Sobald ich diese Grundidee habe, suche ich Menschen aus, die mich dabei inspirieren und unterstützen können.

Die Grundidee bildet den Kern und bietet eine Struktur zur Umsetzung. Innerhalb dieser Struktur gibt es viel Spielraum für Details. Ich lasse mich von den Menschen, mit denen ich arbeite, und von dem, was sie als perspective mitbringen, inspirieren. Ich glaube, dass wir gemeinsam vielfältigere Ideen haben und dass aus einer größeren Auswahl mehr entstehen kann. Es ist wie einen Baum zu pflanzen und sich um ihn zu kümmern.

In der choreographische Prozess benutze ich viel verschiedene Wege zu kreieren. Diese involviert die Tänzer:innen. Von ganz klare festgelegte Schritte und Formen, verschiedene Aufgaben, eigen Material hineinzubringen bis zu Improvisationen. Ich setze die Richtung und schaue was sie bringen. Da es um neue Kreationen geht, ist meine frage oft, “hier ist eine Idee, wie würdest du das ausdrucken?” Authentizität bringt viel zu der Glaubhaftigkeit die gezeigt wird. Es bringt auch viele schöne Bewegungen, woran ich selbst nicht denken würde. Die Bewegungsideen fließen zusammen, Mischen sich und solange sie kongruent zu der Konzept sind formen der Choreographie.

Wann hast du begonnen, Choreografie als möglichen beruflichen Weg für dich zu sehen?

Choreografie hat mich immer sehr fasziniert. Ich muss sagen, als Tänzer am Anfang und auch in der Schule, war ich sehr perfektionistisch und es war mir sehr schwierig zu choreografieren. Eine Verletzlichkeit zu zeigen und auch der wissen wie. Meine selbst bewertenden Gedanken Stand mir oft im weg.

Ein großer Einfluss war Stephan Thoss, für den ich als Tänzer gearbeitet habe. Er hat mir im Laufe unserer Zusammenarbeit sein Wissen vermittelt. Ich habe kleine Stücke für choreografische Abende kreiert und mich von dort aus weiterentwickelt. Meine Einstellung ist heute wie am Anfang meiner Tanzkarriere: Ich mache einfach weiter und schaue, wohin mich mein Weg führt.

Während ich damals dankbar war, eine Solo von zwei Minuten herauszuarbeiten, mache ich mittlerweile Choreografien von einer Stunde mit bis zu zehn Tänzer:innen, alles selbstorganisiert. Und in diese Stunde finde ich es oft echt schwierig, meine Ideen zurecht auszudrücken. Meine Herausforderung als Choreograf ist es jetzt, Klarheit zu schaffen und mich auf das Wesentliche zu fokussieren.

Wie prägt deine Erfahrung als Tänzer, deine choreografische Praxis und umgekehrt: Wie beeinflusst das Choreografieren deine Arbeit als Tänzer?

In meiner choreografischen Praxis sehe ich viele Aspekte meiner Erfahrung als Tänzer wieder. Meiner Meinung nach ist es eine vielseitige Aufgabe, Choreograf zu sein. Es gibt so viele verschiedene Wege und Herangehensweisen.

Ich habe die Erfahrungen und Einflüsse, die ich als Tänzer hatte, und dazu kommen die, die ich in den letzten Jahren als Lehrer gesammelt habe. All das verbindet sich mit meiner choreografischen Praxis.

Für mich ist Choreografie nicht nur, Bewegung in Formen und Bewegungen zu gestalten. Es geht auch darum, Ideen herauszuarbeiten, ein Konzept in Bewegung umzusetzen, mit Menschen umzugehen, sie einzubinden und mit ihnen zu arbeiten, um das Beste aus ihnen herauszuholen. Ich versuche, Raum für einen tiefen Prozess zu kreieren, in dem wir uns austauschen und mit Ideen auseinandersetzen können. Ich ermutige dazu, eigene Ideen einzubringen und diese Erfahrungen und Erlebnisse zu teilen. Ein choreografischer Prozess ist mir nicht nur das Endresultat, sondern auch der Weg dorthin, der hoffentlich Entwicklung für die Beteiligten bietet.

Der Prozess ist oft spannend. Er sollte Spaß machen, intensiv und tiefgehend sein.

Gibt es etwas Bestimmtes, das du dem Publikum mit diesem Stück vermitteln möchtest?

Das Thema ist existenziell. Es liegt sehr nahe. Es ist sehr tiefgründig und intensiv. Der Prozess des Sterbens ist etwas, das wir alle durchlaufen werden, und ich denke, die Angst davor loszulassen, ist der Kern dessen, was ich zu vermitteln versuche. Der Weg ist es nicht, das Thema zu vermeiden, sondern es im Gespräch bzw. durch Kunst zu öffnen.

Mit dem Stück möchte ich das Thema öffnen und eine Perspektive darauf geben, was Menschen in diesem Zustand durchmachen und was alles möglich ist.

Mein Wunsch ist, dass sich das Publikum mit dem Thema auseinandersetzt und eine Reise erlebt, die auf der Bühne dargestellt wird. Durch das Stück lade ich sie ein, in das Thema einzutauchen und sich mit dem Ausdruck der Tänzer zu verbinden. Ich biete ein emotionales Erlebnis, in dem sie sich selbst vielleicht wieder erkennen oder hineinversetzen können. Der Versuch ist es, das Thema durch den Tanz nachvollziehen und spüren zu können.

Hast du schon einmal kreative Blockaden erlebt? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Manchmal habe ich mit einer Resistenz zu kämpfen. Ich bringe mich voran, indem ich viele kleine Tricks anwende. Dazu gehören feste Termine zu setzen, loszulassen, kleine Spiele zu machen und mit Authentic Movement zu arbeiten. Hauptsache ist, sich einfach die Zeit zu nehmen, um da zu sein und sich mit den Ideen auseinanderzusetzen.

Das Buch „The War of Art“ von Steven Pressfield hat meine Einstellung sehr beeinflusst. „Mach was“ ist eigentlich die vereinfachte Aussage. Um Resistenz zu bekämpfen, muss ich aus dem bewertenden Kopf in einen kreativen, spielerischen Raum kommen (was ich mit dem Körper verbinde). Meine Erfahrung ist, dass beide Einstellungen nicht gleichzeitig existieren können. Da ich Blockaden mit Stillstand assoziiere, nutze ich den Einfluss von Authentic Movement oder kleine spielerische Aufgaben, um mich in Bewegung zu bringen und „kreatives Momentum“ zu erzeugen. Es läuft am meistens dann wieder!

Gefördert durch:

Aktuell gibt es für dieses Programm keine bevorstehenden Termine.

Unser Repertoire

Stücke aus den vergangenen Spielzeiten finden Sie hier.

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