Ausruhen. Regenerieren. Allem Druck, Tun, weiter durchziehen und häufig normalisierten Grenzen überschreiten zum Trotz.
Als Akt der Selbstfürsorge. Als Anerkennung der eigenen Grenzen. Als anti-ableistische Handlung. Als soziale, politische Handlung. Als Raum, der sich öffnet um sich wahrzunehmen und zu verbinden: mit dem eigenen Körper, den eigenen Gedanken. Und um auszusteigen aus bisherigen Strukturen.
In ihrer Residenz fragt sich Hannah Dewor wie sich unterschiedliche Weisen, sich auszuruhen künstlerisch ausdrücken können und wie sich diese mit den Tools der Intimacy Choreography* (auf Zustimmung basierenden und trauma-informierten Arbeitsmethoden) im Tanz verbinden lassen.
Für ihre Recherche holt sich Hannah Sitzsäcke als Verbündete mit ins Studio und lädt eine kleine Gruppe von Tänzerinnen ein. Diese bringen durch ihre tanzkulturellen und persönlichen Erfahrungen – u.a. geprägt von chronischer Erkrankung, Behinderung oder PTSD – ihre Perspektive und Zugriff auf das Ausruhen mit. Als Ergänzung dazu beschäftigen sie sich mit Ressourcen aus der Crip und Black Feminist Bewegung (u.a The Nap Ministry von Tricia Hersey). Gemeinsam entwickelt das Residenzteam mit den Sitzsäcken Soli, Scores, Choreografien und Texte zu ihrer Form der Erholung oder Regulation.
In Kollaboration mit: Annie Edwards, Nora Goßmann, Patscharaporn Distakui, Amelia Uzategui Bonilla
Im Work-in-progress Showing zeigt das Team Zwischenstände Ihrer gemeinsamen Arbeit. Im zweiten Teil des Showings gibt es die Möglichkeit, dass all diejenigen aus dem Publikum, die gerne möchten, sich mit den Sitzsäcken in den entwickelten Scores ausprobieren und die Arbeit aktiv kennenlernen. Feedback ist sehr willkommen. Im abschließenden Künstlerinnengespräch gibt es zusätzlich Platz für Fragen und Austausch mit dem Residenzteam.
Die künstlerische Recherche fließt in Hannahs Projekt CLOSER WITH CONSENT – Intimacy Choreography im Tanz ein.
Unterstützt im Rahmen von Next Steps, einem Programm von Bureau Ritter zur Stärkung Tanzschaffender in Hessen. Gefördert durch die Crespo Foundation.
Hannah Dewor
Dance & choreography
& education
& access
& intimacy choreography
CLOSER WITH CONSENT – Intimacy Choreography in dance
IG: @closer_with_consent
Was ist Intimacy Choreography?
Intimitätschoreografie, meist wird Intimacy Choreography als Begriff verwendet, führt zustimmungsbasierte und traumainformierte Methoden und Tools in Produktionen und Bildungsprogrammen der darstellenden Künste ein. Intimitätschoreograf:innen sind dafür verantwortlich, Szenen mit simulierter Intimität, Sex oder sexueller Gewalt zu koordinieren und zu choreografieren. Durch die Kombination von auf Zustimmung basierenden Methoden mit künstlerischer Praxis tragen Intimitätschoreograf:innen dazu bei, das Risiko von Machtmissbrauch zu verringern, Arbeitsschutzmaßnahmen als integralen Bestandteil des künstlerischen Prozesses zu berücksichtigen und künstlerische Innovation im Bereich der darstellenden Künste zu ermöglichen. Die Rolle der Intimitätschoreografie für den Tanz ist besonders wichtig, da unsere Tanzpraxis in vielen Kontexten auf tatsächlicher Berührung und Körperkontakt basiert und nicht auf der Simulation von Nähe und Intimität. Tänzer:innen, verantwortlich und angewiesen auf ihre Körper müssen mit ihren Grenzen respektiert und ihrem Handwerk bestärkt werden. Die Tools der Intimitätschoreografie ermöglichen es Tänzer:innen, ihre Grenzen zu setzen und zu kommunizieren und innerhalb dieser zu gestalten.
Zustimmungsbasierte und traumainformierte Prozesse in der Tanzpraxis
In diesem Workshop kannst du erleben, wie über Dialoge in Wort und Bewegung spielerisch die eigenen Grenzen kommuniziert und Zustimmung ausgehandelt werden können. Im Workshop verflechten sich Tools aus der Consent-Kultur und Intimacy Choreography mit der zeitgenössischen Tanzpraxis. Du hast durch die tänzerischen und performativen Explorationen die Möglichkeit eigene Erwartungen, Reaktionsmuster zu reflektieren, mit mehr Sensibilität zu tanzen und durch eine konkrete Praxis dazu beizutragen, dass wir uns alle in einem sichereren Raum bewegen. Nach einem gemeinsamen Warm-up und spielerischen Übungen in Bewegung um Zustimmung und Einverständnis auszuhandeln, widmen wir uns der Tanzimprovisation. Hier können die gelernten Tools konkret angewandt werden, vorallem in Bezug auf Körperkontakt im gemeinsamen Tanz mit anderen Teilnehmenden.
Der Workshop findet in deutscher und englischer Lautsprache statt – je nach Bedarf.
Vorkenntnisse in zeitgenössischem Tanz und in Tanzimprovisation sind von Vorteil jedoch keine Voraussetzung.
Du kannst während des Workshops jederzeit Pausen einlegen und/oder den Raum verlassen, ein Rückzugsort steht zur Verfügung. Eine Assistenzperson unterstützt gerne individuell während des Workshops.
Download: Vorab Informationen zum Workshop
Hannah Dewor ist diplomierte zeitgenössische und Moderne Tänzerin (Studium in Köln und Amsterdam), Choreografin und Tanzpädagogin (M.A. Contemporary Dance Education, Frankfurt).
Neben Engagements als Tänzerin in freien Tanzproduktionen (u.a. Amelia Uzategui Bonilla/T.I.A. dance productions, Yves Thuwis de Leew/Nevski Prospekt, Richard Siegal/The Bakery) ist Hannah an Theaterhäusern wie der ‚Oper Frankfurt‘ (u.a. Spielzeit 21/22, 23/24) auf der Bühne zu sehen. Ein besonderer Fokus ihrer Arbeit liegt auf der Verbindung von Tanz und Access.
Von 2014-2022 initiiert Hannah gemeinsam mit der Choreografin Jungyeon Kim das Ensemble Barefeet mit Menschen mit Behinderung, übernimmt die künstlerische Co-Leitung und entwickelt Tanzworkshopformate für unterschiedliche Access Bedarfe.
Sie nahm 24/25 an einem Qualifizierungsprogramm für Audiodeskription im Tanz (Tanzplattform Rhein-Main) teil. Als assoziierte Künstlerin wirkt Hannah seit 2024 bei T.I.A. dance productions mit, tanzte im Stück „Interrupting the Thrill of Exactitude“, konzipiert Workshops für Tanz und Audiodeskription und Lehrveranstaltungen an Schulen.
2023 schloss Hannah als Stipendiatin der Hessen Film & Medien GmbH eine Weiterbildung zur Intimacy Coordinator für Film und Fernsehen ab (culture change hub Berlin) und ergänzte diese um Aufbaumodule für Intimacy Choreography für Theater und live performances (Theatrical Intimacy Education, USA). Seither integriert sie Tools der Intimacy Choreography in unterschiedliche Tanz- und Vermittlungsprojekte. Für ihr Projekt CLOSER WITH CONSENT – Intimacy Choreography im Tanz erhielt sie durch das Next Steps Programm (Bureau Ritter, Crespo Foundation) eine Förderung bis Ende 2026 um das Feld der Intimacy Choreography speziell auf den Tanzkontext angewandt weiterzuentwickeln: mit Austauschformaten und Workshops für Tänzer:innen, Choreograf:innen, Tanzpädagog:innen und Producer, mit Recherchen und Interviews sowie einem Austauschlabor in 2026.


Aktuell gibt es für dieses Programm keine bevorstehenden Termine.
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