Reiko Ohta (Japan/Dänemark) absolvierte eine klassische Ballettausbildung in Japan. Joseph Simon (Frankreich/Niederlande) ist B-Boy, seine Wurzeln liegen in der HipHop-Kultur. Beide verbindet das gemeinsame Interesse und die Vision, einen unkonventionellen Ansatz für das Ballett zu entwickeln: Auf experimentelle Weise wollen sie Elemente aus HipHop, House Dance und Ballett dekonstruieren, um die für diese Styles typischen sozialen Verhaltensweisen, Haltungen und Ästhetiken herauszufordern und spielerisch zu hinterfragen. Sie erforschen, wie Ballett mit Street- und Clubstyles koexistieren und verschmelzen kann. Die Offenheit zum Austausch zwischen Subkulturen soll gefeiert, die Individualität, Gemeinschaft, Selbstermächtigung und Befreiung wertgeschätzt werden.


Die Auftaktausgabe der Tanztriennale lädt vom 14. bis 21. Juni 2026 Tanzschaffende und die
breite Öffentlichkeit dazu ein, die vielen Facetten des Tanzes sowie seine Rolle im Alltag zu
reflektieren und zu erleben – sei es durch Zuschauen, Mitmachen, Nachdenken oder Diskutieren.
Dabei wird der Tanz mit all seinem Potential gezeigt: nicht nur als Bühnenkunst,
sondern auch in seiner außergewöhnlichen Fähigkeit, zu einem stärkeren gesellschaftlichen
Zusammenhalt beizutragen und frische Ansätze für Erneuerung und transformatives Denken
zu schaffen.
Die Idee des Zusammenkommens findet auf mehreren Ebenen statt: zwischen
verschiedenen Tanzkulturen, über Generationen hinweg und in einem Miteinander
unterschiedlicher Hintergründe.

Reiko Ohta ist eine japanische Tänzerin mit Wohnsitz in Rotterdam, Niederlande. Sie absolvierte ihr Studium an der Codarts University of the Arts mit einem einjährigen Praktikum beim Scapino Ballet Rotterdam. Während ihres Studiums tanzte sie in Stücken von Marco Goecke, Cayetano Soto und Hofesh Shechter.
Kürzlich arbeitete sie mit Choreograf*innen wie Marina Mascarell, Antonin Rioche und Silvia Giordano zusammen. Ihr eigenes Solo-Werk A Flash of Oblivion wurde für das Internationale Solo-Tanz-Theater-Festival Stuttgart 2021 nominiert.
Quelle: https://www.citerne.live/fr/people/reiko-ohta

Joseph Simon (Frankreich, 1989) schloss 2014 sein Studium an der ArtEZ School of Dance in Arnhem ab. Während seines Studiums konzentrierte er sich darauf, seinen Hintergrund als B-Boy mit dem zeitgenössischen Tanz zu verbinden. Sein anhaltendes Interesse an diesem Thema führte zu einem engen Austausch und einer Zusammenarbeit mit seinem Mitstudenten Jonas Frey, die bis heute andauert. Joseph ist es wichtig, sich aus unterschiedlichen Perspektiven durch das Tanzfeld zu bewegen. Aus diesem Grund unterrichtet er auch an der Codarts Circus School und entwickelt sich kontinuierlich weiter, indem er Unterricht nimmt und in Arbeiten von Künstler*innen wie Alida Dors, Jochen Heckmann, Erik Kaiel, Jean-Guillaume Weis, Eric Trottier, Jonas Frey, Christina Liakopoulou, Justin de Jager und Dalton Jansen tanzt.
Quelle: https://dansateliers.nl/en/maker/joseph-simon/
Die Residenz ist eine Vorarbeit zum neuen Projekt Phase Shiftings von Michael Langeneckert. Dabei werden zwei Stücke zur Musik von Steve Reich erarbeitet: Coexisdance und Resonanz.
Die erste Komposition trägt den Titel Electric Counterpoint, die zweite Pulse.
Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Moving Orchestra Freiburg und der Sozo Visions in Motion Kompanie Kassel. Aufführungen sind für Dezember 2026 in Freiburg und Kassel geplant.

Michael Langeneckert arbeitet freischaffend als Choreograph, Dozent und Tänzer und lebt in Freiburg/Deutschland. Seit Oktober 2018 ist er unter seinem neuen Label Moving Orchestra tätig. Er entwickelt freie Tanz Projekte in Freiburg, unterstützt von der Stadt Freiburg und dem Land Baden-Württemberg, und arbeitet als Gastchoreograph für Kompanien und Universitäten/Schulen wie Theater Lüneburg, Theater Luzern/CH, Amsterdam University, Folkwang Universität Essen und einigen mehr. Er unterrichtet zeitgenössischen Tanz (Floorwork Technik) an zahlreichen Orten quer durch Europa an Kompanien, Universitäten und freien Institutionen. Als Trainings und Probenleiter war er am Staatstheater Mainz (2015-2018, Dir. Honne Dohrmann) und am Staatstheater Kassel (2008-2012, Dir. Johannes Wieland) tätig. Als Tänzer arbeitete er freischaffend und auch in fester Anstellung an verschiedenen Theatern in Deutschland und der Schweiz. Zur Zeit ist er Gast-Professor an der Folkwang Universität Essen und arbeitet anschliessend wieder freischaffend als Gastlehrer bei Aterballetto/I, Skanes Dansteater/S, Göteborg Opera/S, Tanz Mainz, Staatstheater Braunschweig/G, Hessisches Staatsballett Wiesbaden/G, Theater Bern/CH, Theater Linz/AU, Oper Graz/AT, Codarts Rotterdam/NL, Artez Arnheim/NL, Danceworks Berlin, Tanzhaus Zürich und vielen mehr.

Im Jahr 2022 zog sie nach Europa, wo sie zunächst am Centre de Dansa in Barcelona, Spanien, trainierte und später ihr Bachelorstudium an der Codarts University of the Arts in Rotterdam begann. Dort arbeitete sie unter anderem mit Jiří Kylián, Cayetano Soto, (la)Horde, Heidi Vierthaler, Dalton Jansen, Neel Verdoorn und Wayne McGregor zusammen. Darüber hinaus war sie Mitglied der Jury für die Akkreditierung der Zürcher Hochschule der Künste 2023 und erhielt 2025 das Stipendium der Jiří-Kylián-Stiftung.
In der Spielzeit 2025/26 ist sie als Apprentice bei tanz mainz engagiert.

Dušan Bajčetić wurde 2004 in Belgrad, Serbien, in eine Familie von Künstler*innen hineingeboren. Seine Mutter ist Balletttänzerin, sein Vater Schauspieler, die ältere Schwester ebenfalls professionelle Tänzerin und einer der Gründe, warum auch Dušan mit dem Tanzen begann.
Ab dem Alter von 11 Jahren nahm er Tanzunterricht in Modern und Jazz Dance. Nach seiner Ausbildung an der Ballettschule Lujo Davičo in zeitgenössischem Tanz war er Teil der Bitef Dance Company und wirkte in verschiedenen Produktionen mit. 2022 begann Dušan sein Bachelor-Studium an der Codarts University for the Arts in Rotterdam, wo er mit Choreograf*innen wie Jiri Kylian, Lea Ved, Cayetano Soto, Eliana Stragapede und Borna Babić arbeitete.
In der Spielzeit 2025/26 ist er als Apprentice bei tanz mainz engagiert.
Ausruhen. Regenerieren. Allem Druck, Tun, weiter durchziehen und häufig normalisierten Grenzen überschreiten zum Trotz.
Als Akt der Selbstfürsorge. Als Anerkennung der eigenen Grenzen. Als anti-ableistische Handlung. Als soziale, politische Handlung. Als Raum, der sich öffnet um sich wahrzunehmen und zu verbinden: mit dem eigenen Körper, den eigenen Gedanken. Und um auszusteigen aus bisherigen Strukturen.
In ihrer Residenz fragt sich Hannah Dewor wie sich unterschiedliche Weisen, sich auszuruhen künstlerisch ausdrücken können und wie sich diese mit den Tools der Intimacy Choreography* (auf Zustimmung basierenden und trauma-informierten Arbeitsmethoden) im Tanz verbinden lassen.
Für ihre Recherche holt sich Hannah Sitzsäcke als Verbündete mit ins Studio und lädt eine kleine Gruppe von Tänzerinnen ein. Diese bringen durch ihre tanzkulturellen und persönlichen Erfahrungen – u.a. geprägt von chronischer Erkrankung, Behinderung oder PTSD – ihre Perspektive und Zugriff auf das Ausruhen mit. Als Ergänzung dazu beschäftigen sie sich mit Ressourcen aus der Crip und Black Feminist Bewegung (u.a The Nap Ministry von Tricia Hersey). Gemeinsam entwickelt das Residenzteam mit den Sitzsäcken Soli, Scores, Choreografien und Texte zu ihrer Form der Erholung oder Regulation.
In Kollaboration mit: Annie Edwards, Nora Goßmann, Patscharaporn Distakui, Amelia Uzategui Bonilla
Im Work-in-progress Showing zeigt das Team Zwischenstände Ihrer gemeinsamen Arbeit. Im zweiten Teil des Showings gibt es die Möglichkeit, dass all diejenigen aus dem Publikum, die gerne möchten, sich mit den Sitzsäcken in den entwickelten Scores ausprobieren und die Arbeit aktiv kennenlernen. Feedback ist sehr willkommen. Im abschließenden Künstlerinnengespräch gibt es zusätzlich Platz für Fragen und Austausch mit dem Residenzteam.
Die künstlerische Recherche fließt in Hannahs Projekt CLOSER WITH CONSENT – Intimacy Choreography im Tanz ein.
Unterstützt im Rahmen von Next Steps, einem Programm von Bureau Ritter zur Stärkung Tanzschaffender in Hessen. Gefördert durch die Crespo Foundation.
Hannah Dewor
Dance & choreography
& education
& access
& intimacy choreography
CLOSER WITH CONSENT – Intimacy Choreography in dance
IG: @closer_with_consent
Was ist Intimacy Choreography?
Intimitätschoreografie, meist wird Intimacy Choreography als Begriff verwendet, führt zustimmungsbasierte und traumainformierte Methoden und Tools in Produktionen und Bildungsprogrammen der darstellenden Künste ein. Intimitätschoreograf:innen sind dafür verantwortlich, Szenen mit simulierter Intimität, Sex oder sexueller Gewalt zu koordinieren und zu choreografieren. Durch die Kombination von auf Zustimmung basierenden Methoden mit künstlerischer Praxis tragen Intimitätschoreograf:innen dazu bei, das Risiko von Machtmissbrauch zu verringern, Arbeitsschutzmaßnahmen als integralen Bestandteil des künstlerischen Prozesses zu berücksichtigen und künstlerische Innovation im Bereich der darstellenden Künste zu ermöglichen. Die Rolle der Intimitätschoreografie für den Tanz ist besonders wichtig, da unsere Tanzpraxis in vielen Kontexten auf tatsächlicher Berührung und Körperkontakt basiert und nicht auf der Simulation von Nähe und Intimität. Tänzer:innen, verantwortlich und angewiesen auf ihre Körper müssen mit ihren Grenzen respektiert und ihrem Handwerk bestärkt werden. Die Tools der Intimitätschoreografie ermöglichen es Tänzer:innen, ihre Grenzen zu setzen und zu kommunizieren und innerhalb dieser zu gestalten.
Zustimmungsbasierte und traumainformierte Prozesse in der Tanzpraxis
In diesem Workshop kannst du erleben, wie über Dialoge in Wort und Bewegung spielerisch die eigenen Grenzen kommuniziert und Zustimmung ausgehandelt werden können. Im Workshop verflechten sich Tools aus der Consent-Kultur und Intimacy Choreography mit der zeitgenössischen Tanzpraxis. Du hast durch die tänzerischen und performativen Explorationen die Möglichkeit eigene Erwartungen, Reaktionsmuster zu reflektieren, mit mehr Sensibilität zu tanzen und durch eine konkrete Praxis dazu beizutragen, dass wir uns alle in einem sichereren Raum bewegen. Nach einem gemeinsamen Warm-up und spielerischen Übungen in Bewegung um Zustimmung und Einverständnis auszuhandeln, widmen wir uns der Tanzimprovisation. Hier können die gelernten Tools konkret angewandt werden, vorallem in Bezug auf Körperkontakt im gemeinsamen Tanz mit anderen Teilnehmenden.
Der Workshop findet in deutscher und englischer Lautsprache statt – je nach Bedarf.
Vorkenntnisse in zeitgenössischem Tanz und in Tanzimprovisation sind von Vorteil jedoch keine Voraussetzung.
Du kannst während des Workshops jederzeit Pausen einlegen und/oder den Raum verlassen, ein Rückzugsort steht zur Verfügung. Eine Assistenzperson unterstützt gerne individuell während des Workshops.
Download: Vorab Informationen zum Workshop
Hannah Dewor ist diplomierte zeitgenössische und Moderne Tänzerin (Studium in Köln und Amsterdam), Choreografin und Tanzpädagogin (M.A. Contemporary Dance Education, Frankfurt).
Neben Engagements als Tänzerin in freien Tanzproduktionen (u.a. Amelia Uzategui Bonilla/T.I.A. dance productions, Yves Thuwis de Leew/Nevski Prospekt, Richard Siegal/The Bakery) ist Hannah an Theaterhäusern wie der ‚Oper Frankfurt‘ (u.a. Spielzeit 21/22, 23/24) auf der Bühne zu sehen. Ein besonderer Fokus ihrer Arbeit liegt auf der Verbindung von Tanz und Access.
Von 2014-2022 initiiert Hannah gemeinsam mit der Choreografin Jungyeon Kim das Ensemble Barefeet mit Menschen mit Behinderung, übernimmt die künstlerische Co-Leitung und entwickelt Tanzworkshopformate für unterschiedliche Access Bedarfe.
Sie nahm 24/25 an einem Qualifizierungsprogramm für Audiodeskription im Tanz (Tanzplattform Rhein-Main) teil. Als assoziierte Künstlerin wirkt Hannah seit 2024 bei T.I.A. dance productions mit, tanzte im Stück „Interrupting the Thrill of Exactitude“, konzipiert Workshops für Tanz und Audiodeskription und Lehrveranstaltungen an Schulen.
2023 schloss Hannah als Stipendiatin der Hessen Film & Medien GmbH eine Weiterbildung zur Intimacy Coordinator für Film und Fernsehen ab (culture change hub Berlin) und ergänzte diese um Aufbaumodule für Intimacy Choreography für Theater und live performances (Theatrical Intimacy Education, USA). Seither integriert sie Tools der Intimacy Choreography in unterschiedliche Tanz- und Vermittlungsprojekte. Für ihr Projekt CLOSER WITH CONSENT – Intimacy Choreography im Tanz erhielt sie durch das Next Steps Programm (Bureau Ritter, Crespo Foundation) eine Förderung bis Ende 2026 um das Feld der Intimacy Choreography speziell auf den Tanzkontext angewandt weiterzuentwickeln: mit Austauschformaten und Workshops für Tänzer:innen, Choreograf:innen, Tanzpädagog:innen und Producer, mit Recherchen und Interviews sowie einem Austauschlabor in 2026.


Der englische Choreograf Alexander Whitley erforscht in Mirror mit dem Verfahren des „Motion Matching“ und KI die Interaktion realer und virtueller Tänzer:innen in einem Spiegelprozess. „Mirror“ ist eine Kooperation des Hessischen Staatsballetts (HSB) mit der Alexander Whitley Dance Company.
Vier Tänzer*innen aus dem Ensemble des Hessischen Staatsballetts und zwei Tänzer*innen aus der Kompanie Whitleys starteten im Januar 2026 im Rahmen einer Residenz in Darmstadt die aufregende Zusammenarbeit an dem Projekt.
Die Uraufführung von Mirror fand am 21. März im Londoner Sadler`s Wells statt. Im Rahmen des KI-Festivals Komm zu meinem Festival oder ich hacke deinen Toaster wird die deutschsprachige Premiere des Stücks gezeigt.
Bilder: (c) Sinah Osner
Künstlerische Leitung & Choreografie Alexander Whitley
Interactive Media Design Luca Biada
3D-Characterdesign Alexander MacKinnon
Musik Galya Bisengalieva
Bühne & Kostüme Mirella Weingarten
Licht Joshie Harriette
Probenleitung Allison Brown
Dramaturgie Sasha Milavic Davies, Lucas Herrmann
Produktion Stacie Lee Bennett-Worth
Es tanzen
Tatsuki Takada, Sofie Vervaecke und alternierend Jorge Moro Argote, Marie Ramet
Mirror ist eine gemeinsame Auftragsarbeit mit der Alexander Whitley Dance Company und Sadler’s Wells.
Besonderer Dank an das London College of Fashion für die Unterstützung bei der Photogrammetrie.
Unterstützt von: Arts Council England, DanceEast, Cockayne Grants for the Arts, Foyle Foundation, Leche Trust, Reed Educational Trust Limited, den Spenderinnen und Spendern der Big Give Christmas Challenge mit grundlegender Unterstützung durch die John Ellerman Foundation, Coln Trust und Edwin Fox Foundation.
Was geschieht, wenn wir Maschinen mehr vertrauen als einander, um zu erkennen, wer wir sind?
Das Tanzstück Mirror ist inspiriert von Shannon Vallors 2024 erschienenem philosophischen Sachbuch The AI Mirror. Die Technologieforscherin argumentiert darin, dass künstliche Intelligenz wie ein Spiegel der Menschheit funktioniert. KI zeigt nicht nur technische Fähigkeiten, sondern macht auch unsere Werte, Vorurteile, Machtstrukturen und moralischen Entscheidungen sichtbar. Wenn KI diskriminiert, manipuliert oder Macht konzentriert, liegt das nicht nur an der Technologie selbst, sondern an den menschlichen Systemen und Entscheidungen, die sie erschaffen haben. Vallor verbindet Philosophie, Ethik und Technologiegeschichte, um zu zeigen, dass die Entwicklung von KI eine moralische Herausforderung für die Menschheit ist. Statt nur zu fragen, was KI kann, sollten wir fragen: Welche Art von Menschen wollen wir sein, während wir diese Technologien bauen?
Alexander Whitley nimmt in seinem Tanzstück Mirror diese Frage zum Anlass, um einen tänzerisch-technischen Dialog zwischen Mensch und KI herzustellen. Er experimentiert dabei mit der Animationstechnik des „Motion Matching“. Dieses in der Videospiel-Entwicklung verwendete Verfahren selektiert und mischt mit Hilfe von KI vorab aufgezeichnete Motion-Capture-Daten, um flüssige, realistische Bewegungen von Charakteren zu erzeugen. In einem wechselseitigen Prozess steuern sich dabei Tänzer*innen und ihre virtuellen Abbilder innerhalb spezifischer Bereiche choreografierter Aktionen und schaffen so gemeinsam ein choreografisches Werk. Dabei entsteht im Sinne einer Feedbackschleife ein gegenseitiger Austausch zwischen künstlichen und leibhaftigen Körpern.
Für Mirror arbeitet Whitley mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Mirella Weingarten und den Mediendesignern Luca Biada und Alexander MacKinnon zusammen. Unterlegt mit der Musik von Galya Bisengalieva ist das Tanzstück eine philosophische und emotionale Erkundung dessen, was es bedeutet, in Zeiten algorithmischer Urteile Mensch zu sein. Die Frage lautet: Was geschieht, wenn wir Maschinen mehr vertrauen als einander, um zu erkennen, wer wir sind?
Der preisgekrönte Choreograf Alexander Whitley ist ein Pionier im Bereich von Tanz und KI.
Seine interdisziplinäre Praxis mit der von ihm 2014 gegründeten Alexander Whitley Dance Company konzentriert sich auf den Einsatz von Motion-Tracking und interaktiver Technologie und umfasst die Bereiche Bühne, Installation, Film und immersive Plattformen. Seine Produktionen, die in Zusammenarbeit mit Studios wie Marshmallow Laser Feast, The Guardian VR und HTC Vive Arts entstanden, werden international gezeigt, so u. a. beim London Film Festival, SXSW, Mediale und Romaeuropa Festival. Whitley studierte an der Royal Ballet School in London und begann seine Karriere beim Birmingham Royal Ballet, bevor er in die zeitgenössische Tanzszene wechselte. Dort sammelte er vielfältige Erfahrungen, u.a. mit Kompanien wie Rambert, der Michael Clark Company, der Sydney Dance Company und Wayne McGregor | Random Dance. Als Choreograf hat Whitley u. a. mit dem Sadler’s Wells Theatre, Royal Ballet und Rambert zusammengearbeitet. Er ist Gründungsmitglied des New Movement Collective und Dozent im Masterprogramm Design for Performance and Interaction an der Bartlett School of Architecture, University College London.
Gemeinsam mit Filmemacher:innen, Designer:innen, digitalen Künstler:innen und Komponist:innen entwickelt er innovative und vielfältige Arbeiten, die darauf abzielen, den Horizont des Tanzes zu erweitern und das Verständnis für Bewegung über zahlreiche relevante Medien hinweg zu vertiefen.

Das Startbahn-Format geht in die nächste Runde.
Bereits zum fünften Mal zeigt sich der kreative Reichtum des aus vielen künstlerischen Einzelstimmen bestehenden Ensembles des Hessischen Staatsballetts auch in dieser Spielzeit.
In ästhetischer und konzeptioneller Bandbreite präsentieren die Tänzer:innen ihre Kurzchoreografien in den Kammerspielen. Dabei werden eigene Konzepte ausprobiert, persönliche Tanzstile entwickelt und neue Formen tänzerischen Ausdrucks kultiviert. Für manche der Choreograf:innen sind es die ersten Schritte auf diesem Parkett.
Choreografien: Tänzer:innen des Hessischen Staatsballetts
Uraufführung Teil 1 am 13. Juni 2025, 19:30 Uhr
Uraufführung Teil 2 am 14. Juni 2025, 19:30 Uhr (mit Nachgespräch auf der Bühne)
Ort: Staatstheater Darmstadt, Kammerspiele
Startbahn teilt sich in Teil 1 und Teil 2 auf, die jeweiligen Termine sind hierfür gekennzeichnet.
©Tatsuki Takada
Choreografie, Bühne, Licht, Kostüm, Tanz: Peng Chen
Musik: Gaetano Donizetti, Enrico Caruso
Ich nutze die Grenzen des Bewusstseins,
um das Wachstum des Bewusstseins zu blockieren.
Wir tauschen wilde Wahrheiten
gegen passende Formulierungen,
rohe Emotion
gegen antrainierte Reaktion.
Was fürchte ich mehr – den Schmerz, gesehen zu werden,
oder die Freude, erkannt zu werden?
Dasselbe – so verschieden.
Dauer 10 Min.
Choreografie, Bühne, Licht, Kostüm: Ramon John
Musik: Moses Sumney, serpentwithfeet
Tanz: Ramon John, Masayoshi Katori

Als ich so dasaß und die Passanten beobachtete, die eiligen Schrittes am Fenster vorbeirauschten, gekleidet in schicke Anzüge und Zweiteiler, Brieftaschen in ihren Händen und Kopfhörer auf den Ohren, konnte ich nicht umhin als zu bemerken, dass meine Zeitleiste sich veränderte. Verlangsamte. Das Leben selbst rauschte vorbei und ich saß dort. In Stille. Unbewegt. Zufrieden. Im Zentrum dieses wundervoll, hektischen „Lipstick Jungle“, im Land der aufgehenden Sonne, fand ich mich wieder, in meinem kleinen Eden. Ein Eden meiner Schaffung. My room. My womb.
Um 12 Uhr nachmittags, mit einem ungesüßten Zitronen-Eistee und einem Stück Mille Crêpe vor mir, mit kreisenden Gedanken wie „Cranes in the sky“, diesen metallenen Wolken zu entkommen versuchend, bemerkte ich plötzlich eine Verschiebung in mir. Wir bewegten uns. Closer. Wie zwei Teile eines verwobenen, doch geteilten Partikels, an gegenüberliegenden Seiten des Universums, zog meine andere Hälfte an mir, alterierte meinen Zustand. Unseren Zustand, zeitgleich. Bewegung.
So wie ich meine Welt hinter mir lasse, auf stelzenartigen Beinen durch diese Tür stolziere, raus und hinein in diese laute und chaotische Realität, unsere Jetztheit, nur um zu rennen und endlich in dich zu knallen, bleibt die Zeit stehen. Blicke treffen sich, eine Flut an Nostalgie überkommt mich und der Liedtext „like a moth to a flame burned by the fire…“, spielt in meinem Hinterkopf. Verzweifelt greife ich nach meinen Erinnerungen, möchte in der Zeit zurückreisen und genau in diesem Moment verweilen, für immer, und gleichzeitig, ungeduldig nach vorne preschen. Alldieweil bist du da.
Nun sind wir hier, im Zentrum unseres Universums, dein Wesen die Wände meines Herzens durchdringend, und ich kann nicht anders als mich zu fragen: Sind wir die „only lovers left alive“?
Dauer 9 Min.
Choreografie, Bühne, Licht, Kostüm: Anthony Michael Pucci
Musik: Suso Saiz, Sarah Vaughan, Richard Chartier, Andy Stott, Hana Stretton
Tanz: Enzo Boffa, Sayaka Kado
Und dennoch ist Platz in dieser Tasse. Du kannst eigentlich nichts verlieren, denn nichts gehörte dir je. Was du in deinen Armen zu halten glaubst, ist ein Geschenk, das du empfangen hast – aber wieder hergeben musst. Lass los, wie das Schmelzwasser, das in die Erde sickert. Der Tag wird schließlich kommen, an dem dich dieses Spiel des Verlangens, das du immer wieder spielst, erschöpfen wird. Erst dann wirst du dich niederlegen und mit zusammengebissenen Zähnen daliegen,
während die ungeordneten Teile lautlos aus der Tiefe zu trommeln beginnen.
Choreografie, Konzept, Bühne, Licht, Kostüm, Tanz: Rita Winder
Choreografie und Konzept in Zusammenarbeit mit: Jeremy Curnier, Sayaka Kado
Musik: Sam Amidon, John Fahey, Angelo Favis
Text: Jeremy Curnier
Film: Jan van IJken

Halte deine Geschichte fest
Halte sie fest, bis du weißt, dass sie wahr ist.
Halte sie frisch – wie die neugierige Handfläche eines Kindes,
die sich um die Schnur eines rosa Ballons schließt,
die Augen ganz vertieft in das Rosa,
schwebend
vor dem geschäftigen Hintergrund des Lebens, berührt vom unsichtbaren Hauch der Luft.
Nimm dein Leben in dich auf
Es ist die existenziellere Wahl.
Nimm es auf –
so wie sich mosaikartige Risse im ausgetrockneten Boden
unter einem Platzregen sanft wieder schließen,
durchtränkt von Erfahrung.
Sieh deinen Schmerz
Beobachte ihn in den Handflächen deiner gelebten Hände,
gezeichnet von der Gegenwart der Zeit.
Mit der Zeit
wirst du erkennen, dass er ein Freund ist –
der dir hilft, die Schönheit des Sonnenuntergangshimmels zu begreifen,
wenn du alleine sitzt
auf einer Bank.
Still.
Erkenne jetzt,
dass die Offenbarungen der Gegenwart
mit dem Vergehen der Zeit
zur Naivität deiner Vergangenheit werden.
Die Jugend – übersät mit verletzlicher Gewissheit,
die dich mit der Realität ohrfeigt.
Du gibst allem die Schuld, außer dir selbst –
bis du nur noch dir selbst die Schuld gibst.
Scham wird fruchtbar.
Aber Scham ist meist sinnlos.
Bemerk es.
Bemerk das unaufhörliche Reden deines Geistes,
der in Angst gerät, wenn man ihn unbeachtet lässt –
wie das durchdringende Kreischen eines einsamen Kindes in der Nacht,
das Trost bei genau dem sucht,
von dem es ignoriert wird.
Wiege es.
Streichle die monströsen Dämonen,
denen du dich nicht stellen willst –
gesichtslose Einbildungen,
die Lärm erzeugen, der deine Angst übertönt.
Es ist nur Lärm.
Überwucherte Hecken formen Labyrinthe der Gedanken.
Eingeübte Schritte prägen überlaufene chemains (Pfade).
Und trotzdem gehen wir hinaus
auf die Straßen unserer Stadt
und ziehen Linien zwischen dem Persönlichen und dem Beruflichen –
diese ineffizienten Zäune,
die unter dem Druck eines angenommenen „Ichs“ bluten.
Wie mutig wir sind.
Sieh dein Bild.
Sieh es, wie es ist –
durch beschlagene Spiegel unserer Selbsturteile.
Und reinige es.
Lass dein Spiegelbild sichtbar werden.
Strahle.
Besitze deine Geschichte.
Schmelze sie mit den kräftigen Farben deiner mutigsten Träume,
geführt von den Strichen eines gut gelebten Pinsels
auf einer gut gelebten Leinwand,
gezeichnet von den demütigen Händen
einer wachsenden Mitgefühlskraft.
Choreografie, Bühne, Licht, Kostüm, Dramaturgie: Alessio Damiani
Musik: Giuseppe Villarosa, Waldemar Martynel
Tanz: Sayaka Kado, Milica Mučibabić, Marcos Novais
Assistenz: Greta Dato

Wir alle befinden uns in einer Art Hülle, die die Gesellschaft um uns legt – bestehend aus Normen, Rollen und Schweigen. In dem Moment, in dem jemand es wagt, eine dieser Schichten abzulegen, richtet sich sofort alle Aufmerksamkeit auf diese Person: Urteile, Neugier, Angst. Es ist, als würden Taschenlampen zu Augen werden, die jeden beleuchten, der sich außerhalb des Erwarteten bewegt.
Einige Menschen wagen diesen Schritt, kosten kurz die Freiheit – und ziehen sich dann wieder zurück in die scheinbare Sicherheit. Andere gehen weiter, getrieben von der Sehnsucht nach Wahrheit. Sie nehmen Schmerz und Isolation in Kauf, opfern manchmal sogar Verbündete, nur um für einen kurzen Augenblick das Gefühl des Fliegens, der Befreiung, zu erleben.
Doch zu welchem Preis? Was sind wir tatsächlich bereit zu opfern für einen flüchtigen Blick auf das, was es bedeuten könnte, wirklich frei zu sein?
Dauer 14 Min.
Choreografie, Bühne, Licht, Kostüm: Meilyn Kennedy
Musik: The Dare, Cinoes, BrokinPaper, Aloe Blacc
Tanz: Daniela Castro Hechavarría, Jorge Moro Argote, Yamil Ortiz, Marie Ramet, Vanessa Shield, Luke Watson

Niemals kann ich in Frieden tun,
wovon meine Seele besessen ist.
Niemals mache ich es mir bequem.
Ich muss rastlos weiterschreiten.
Andere kennen nur Hochgefühl,
wenn die Dinge ihren friedlichen Lauf nehmen,
frei von Selbstgefälligkeit,
und danken jedes Mal, wenn sie beten.
Ich bin gefangen in endlosem Streit,
endloser Gärung,
endlosem Traum.
Welten, die ich für immer zerstören möchte,
da ich keine Welt erschaffen kann,
wenn sie meine Welt nie bemerken,
die in magischem Wirbel kreist.
Tot und stumm starren sie weg,
mit Verachtung auf unsere Taten.
Wir und all unsere Werke verfallen –
gebeugt unter dem Joch des Schmerzes,
so dass Sehnsucht, Traum und Taten
unerfüllt bleiben.
Deshalb lasst uns alles riskieren,
niemals ruhen, niemals müde werden.
Nicht in trüber, stumpfer Stille,
ohne Handeln oder Verlangen.
Frei nach Karl Marx (1836)
Choreografie, Bühne, Licht, Kostüm: Mei-Yun Lu
Musik: Maestrale
Tanz und Zusammenarbeit Choreografie: Benjamin Wilson

Was du siehst, ist vielleicht nicht das, was du erwartest. In diesem Raum bewegt sich nicht nur der Körper – auch Licht, Schatten und Stille tanzen. Lass los, was du zu wissen glaubst, und tritt ein in eine Welt, in der Formen sich auflösen und Bedeutung sich verschiebt. Fühle frei. Wandere offen.
Genieße die Reise.
Choreografie: Marcos Novais in Zusammenarbeit mit den Tänzer:innen
Choreografische Assistenz: Alessio Pirrone
Musik: Yu Jing Shi
Bühne, Licht, Dramaturgie: Marcos Novais
Kostüme: Greta Dato
Tanz: Marie Ramet und Enzo Boffa

In CASSILOU verschwimmen zwei Wesen zwischen Selbst und Anderem, verstrickt in
hautfarbene Knoten wie eine zweite Haut. Sie fallen, steigen, fluten—Wellen wilder Gefühle. Von
Chaos zu Zärtlichkeit, Schmerz zu Freude spiegeln ihre tierischen Körper den inneren Sturm: ein
Wesen, das fühlt, kämpft, wird.
Choreografie, Bühne, Licht, Kostüm, Tanz: Kenedy Kallas
Musik: Buddha’s Lounge
Assistenz: Enzo Boffa, Yamil Ortiz

Es tut mir leid.
Bitte vergib mir.
Danke.
Ich liebe dich.
Konzept, Kostüme, Licht: Jorge Moro Argote
Research und Choreografie: Jorge Moro Argote in Kollaboration mit den Tänzer:innen
Musik: SOPHIE
Musikalisches Arrangement: Matti Tauru
Tanz: Meilyn Kennedy, Bridget Lee, Milica Mučibabić, Marcos Novais, Yamil Ortiz, Marie Ramet, Vanessa Shield, Luke Watson

Die Luft summt mit einem uralten Puls. Schatten flackern und malen Sprache auf unsichtbare Wände. Der Boden schimmert bei jedem Schritt, Teil einer unendlichen Melodie. Die Welt pulsiert mit leiser Dringlichkeit – Muskeln dehnen sich, Knochen verschieben sich, Atem wird tiefer. Wolken treiben tief, leuchten und verschmelzen mit geladener Luft. Ein goldener Faden zieht, und die Wände lösen sich in Himmel auf. Schwerelos treiben Fragmente deiner selbst wie Blütenblätter. Eine Kälte breitet sich aus – befreiend und doch schneidend –, während sich der Horizont ins Licht auflöst. Du trittst vor, und die Welt klappt nach innen, trägt dich ins Unendliche.
Choreografie, Bühne, Licht, Kostüm, Tanz: Masayoshi Katori
Musik: The Animals, Oneohtrix Point Never & Elizabeth Fraser, Maurice Ravel

Als der Weidenbaum noch aufrecht und stark stand und meine Träume größer waren als meine Ängste, fühlte ich mich geliebt und beschützt – und doch war das nicht genug, um zu bleiben. Es war der Abschied vom Feenland.
Ich bereue Dinge, die ich gesagt habe, die ich hätte sagen sollen – und die, die ich besser nie gesagt hätte. In unzähligen schlaflosen Nächten denke ich an das Leben, für das ich mich nicht entschieden habe. Ich sehne mich nach dem sicheren Ort, den ich einst freiwillig verlassen habe – in der Hoffnung, eines Tages selbst einen solchen Ort zu schaffen.
Ich weiß, dass mir eines Tages alles, was ich geliebt habe, für immer genommen wird – und doch nehme ich diesen Weg an. Ich habe gelernt, weiterzuleben, trotz des Lochs in meinem Herzen. Aber immer dann, wenn ich mich ganz auf das konzentriere, was fehlt, beginnt mein Herz erneut zu weinen. Selbst den Schmerz, den ich noch nicht erlebt habe – ich kenne ihn bereits.
Dauer: 13 Min.
Choreografie, Bühne, Licht, Kostüm: Yamil Ortiz
Tanz: Bridget Lee, Mei-Yun Lu, Enzo Boffa, Benjamin Wilson

Ich frage mich, welche Gedanken einem durch den Kopf gehen, wenn man sich in einer äußerst unangenehmen Situation befindet und nicht entkommen kann. In meinem Fall sind die Gedanken, die mir in den Sinn kommen, oft zusammenhangslos oder ohne logische Struktur.
Für Teilnehmende von 16-99 Jahren
Basierend auf ihrer Recherche ‚dances between order and disorder‘ setzt sich die in Frankfurt lebende Choreografin und Tanzprofessorin Hannah Shakti Bühler in ihrer Neukreation Choreomaniacs mit kollektive Tanzphänomene als Medium der Befreiung, Ekstase und Disziplinierung der Körper auseinander. Wir begeben uns auf eine Zeitreise die die tanzenden Körper der mittelalterlichen Tanzwut als auch die sogenannten „tarantate“ aus den süditalienischen Ritualen des Tarantismus in Erinnerung holt. Der Workshop wird zu einer Feier der Spontaneität, eine Feier des unzensierten körperlichen Ausdrucks von Emotionen und Affekten. Ein Ritual zwischen Ordnung und Unordnung, zwischen Besessenheit, Humor, Empowerment und Widerstand.
Choreomaniacs von Hannah Shakti Bühler Basierend auf ihrer Recherche Dances between order and disorder setzt sich die in Frankfurt lebende Choreografin und Tanzprofessorin Hannah Shakti Bühler gemeinsam mit Simon Mayer und Charlotte Simon mit „Choreomaniacs“ auseinander. Dabei untersucht sie historische Phänomene wie die tanzenden Körper der mittelalterlichen Tanzwut oder sogenannte „Tarantate“ aus den süditalienischen Ritualen des Tarantismus im Kontext der heutigen Cyborg-Kultur.
Konzept, Choreographie: Hannah Shakti Bühler
Dramaturgische Beratung: Simon Mayer
Sound Design, Musik, Performance: Charlotte Simon und Hannah Shakti Bühler
Produktionsmanagement: Lisa Anetsmann
Projektbegleitung: Karoline Wibmer
In Deutschland geboren, aber in Italien aufgewachsen, studierte Hannah zeitgenössischen Tanz am Laban Trinity College in London, wo sie 2006 ihren BA (Hons) Dance Theatre erwarb.
Ihre Performance-Praxis führte sie unter anderem zur Retina Dance Co. in Großbritannien, zum Centro Coreografico Galego in Spanien und zur T.r.a.s.h. DansPerformanceGroup in Holland.
2015 absolvierte sie den MACoDE (Master in Contemporary Dance Education) an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt am Main.
Im gleichen Jahr gründet sie mit Laura Hicks das Choreographische Duo Hicks&Bühler und etabliert sich so in der freien Szene in Frankfurt am Main.
Gemeinsam entwickelten sie Reaching Towards (2017), Der Klumpen (2018) und Strange Loops (2019). Im September 2016 begann sie ihre Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main im Fachbereich Schauspiel.
Seit September 2018 ist sie Professorin für Zeitgenössischen Tanz im BAtanz, mit einem Schwerpunkt auf Transfers zwischen somatischen Praktiken und zeitgenössischem Tanz.
In Zusammenarbeit mit Simon Mayer entwickelten sie das Stück Somatic Tratata – Rhythm, Rapture and Romance welches im November 2022 im Rahmen des Tanzfestival Rhein Main Premiere hatte und aktuell international tourt.

Eine Koproduktion des Hessischen Staatsballett im Rahmen von Tanzplattform Rhein, gefördert von dem KulturAmt Frankfurt und unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Koproduktionsförderung Tanz, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Marcos Abranches, geboren 1977, ist ein brasilianischer Choreograf und Tänzer mit Choreoathetose, einer Form von Zerebralparese, die auf einen Sauerstoffmangel während der Geburt zurückzuführen ist. Seine Leidenschaft für zeitgenössischen Tanz entdeckte Abranches mit 18 Jahren. Seither durchlief er einen Prozess des Wandels: von der Sichtweise, dass er ein Mensch mit einer körperlichen Behinderung ist, zu der Sichtweise, dass er eine Person mit einer größeren Aufgabe ist. Diese sieht er darin, durch seine Kunst aufzuzeigen, dass Menschen mit Behinderungen unbegrenzte Möglichkeiten haben, ihre Gefühle künstlerisch auszudrücken. Als einziger brasilianischer Choreograf mit Zerebralparese erkundet und nutzt er seine Behinderung für die Entwicklung einer eignen künstlerischen Körpersprache.
Zu seinen jüngsten Werken gehören das auf Edvard Munchs berühmtem Gemälde basierendes Stück O Grito (Der Schrei), sowie die durch die Literatur Fjodor Dostojewskis inspirierten Stücke O Idiota und O Krocodilo (Regie: Sandro Borelli). Einem breiteren Publikum in Deutschland wurde er im Jahr 2008 durch seine Choreografie und Performance in Christoph Schlingensiefs Inszenierung von Walter Braunfels’ Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna an der Deutschen Oper Berlin bekannt. In Deutschland war er unter anderem beim Crossings Dance Festival in Düsseldorf und beim KULTURdifferenzTANZ in Köln zu Gast.

Der Workshop besteht darin, mit Praktiken der Körperwahrnehmung, der Bewegungserforschung, der Atmung und der Konzentration zu arbeiten und dabei die Gruppe zu berücksichtigen. Der Kurs soll mit der Idee arbeiten, dass jede einzelne der vorgeschlagenen Aktivitäten für jeden zugänglich sein sollte, der an der Erfahrung teilnimmt, und versucht, niemanden vom Experimentieren auszuschließen.
Für Menschen mit und ohne Behinderungen, Jugendliche (ab 12 Jahren) und Erwachsene, die sich für Tanz und Körperarbeit interessieren.
Als einziger brasilianischer Choreograf und Tänzer mit Zerebralparese hat Marcos Abranches eine besonders
ausdrucksstarke Körpersprache entwickelt. Wiederkehrende Themen sind Isolation und Schmerz, Liebe, Menschlichkeit und Freiheit. In einem Work in Progress lädt er dazu ein, seine Arbeit kennenzulernen.
SPHEARES untersucht die Ontologie des Hören als Sensor alternativer Realitäten, die Frage nach dem Hören als Katalysator physischer Handlungen. Hören als Werkzeug zur Wahrnehmung des Unsichtbaren jenseits bloß Akustischem, Hören als Forschungsrahmen sowie politischer und philosophischer Vorschlag.
In einer Welt, die von der Gewalt des unmittelbaren Bildes (Baudrillard), dem Gewicht von Wortäußerungen und Meinungen (LaBelle) oder von dem, was semantisch oder physisch fassbar ist und somit das manifestiert, was wir als Realität wahrnehmen (Nancy), kann Hören als eine transformative Praxis angesehen werden, die die Grenzen des Vertrauten und Bekannten verschiebt. Im Gegensatz zum zielgerichteten, relationalen Zu-hören ist Hören dabei (in enger Anlehnung an Nancy) ein ganzheitlichen Bewusstseinszustand, ein Sensor des Ephemeren. Zwischen Assoziationen an Yutori (jap. Konzept) und Prinzipien aus Qi Gong steht letztlich die Frage nach der Fähigkeit zur Re-Sensibilisierung in einer vom Lärm betäubten Welt.
Künstlerische Leitung, Konzept Johannes Schropp
Tanz Raquel Nevado Ramos
Aufnahme Trompete Ines Hartmuth
Assistenz Konzeption, Dramaturgie Leander Ruprecht
Dramaturgische Beratung Chin-Weng Peng
Eine Kooperation von Johannes Schropp mit art.ist Wiesbaden, dem MA Choreographie & Performance im Rahmen der Hessischen Theaterakademie (HTA). Unterstützt vom Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden und der Initiative Dance Nexus.
Johannes Schropp studierte Komposition und Choreographie & Performance. Seine meist klangbezogene Arbeit ist installativ, filmisch und performativ. Darüber hinaus komponiert er Musik für Tanz- und Performanceproduktionen, arbeitet als Regisseur für Musiktheater, erstellt Körper-, Bühnen- und Videokonzepte für innovative Konzertformen und ist aktiv als Dramaturg für Tanzproduktionen.
Aufführungen bei u.a. HELLERAU Dresden, Tanzhaus NRW, PACT Zollverein Essen, Radialsystem Berlin, Staatstheater Darmstadt, LaObra Paris (FR), BAD Festival Bilbao (ES), Simultan Festival Timsoara (RO).
Treffpunkt: Foyer Kammerspiele
In dem Workshop zur Pop-up Residenz “SPHEARES” laden Johannes Schropp und die Tänzerin Raquel Nevado Ramos die Teilnehmeden ein an ihrer Recherche Tanz zu einem akutistischen Erlebnis zu machen teilzuhaben.
Im Workshop erproben wir gemeinsam Aspekte des choreografischen Anteils der Installation SPHEARES. Zentral ist das Phänomen des Hören, wie wir unsere eigenen und andere bewegte Körper durch unsere Ohren wahrnehmen.
Bitte bringen Sie bewegungstaugliche Kleidung mit.
SPHEARES untersucht die Ontologie des Hören als Sensor alternativer Realitäten, die Frage nach dem Hören als Katalysator physischer Handlungen. Hören als Werkzeug zur Wahrnehmung des Unsichtbaren jenseits bloß Akustischem, Hören als Forschungsrahmen sowie politischer und philosophischer Vorschlag.
In einer Welt, die von der Gewalt des unmittelbaren Bildes (Baudrillard), dem Gewicht von Wortäußerungen und Meinungen (LaBelle) oder von dem, was semantisch oder physisch fassbar ist und somit das manifestiert, was wir als Realität wahrnehmen (Nancy), kann Hören als eine transformative Praxis angesehen werden, die die Grenzen des Vertrauten und Bekannten verschiebt.
Im Workshop werden Aspekte des choreografischen Anteils der Installation erprobt. Zwischen Mikrofonen und Lautsprechern steht die Frage, wie wir unsere eigenen und andere bewegte Körper durch unsere Ohren wahrnehmen. Anstelle einer visuellen Betrachtung des dabei entstehenden Tanzes geht es aber vielmehr um den veränderten, ohrgesteuerten Wahrnehmungsmodus selbst.
Der Workshop findet im Rahmen der Tanzplattform Rhein-Main statt, ein gemeinsames Projekt von Hessischem Staatsballett und Künstler*innenhaus Mousonturm



Rhythmen, die die Hüften in Bewegung versetzen und die Hintern wackeln und zittern lassen: Shake your booty! „hip piece“, das neue Stück des Choreograf_innen-Duos Verena Billinger und Sebastian Schulz ist der Körpermitte gewidmet, dem Zentrum der Begierde und der Lust, dem Motor des Tanzes. Und verortet sich damit mitten in den aktuellen kulturellen Auseinandersetzungen um Aneignungen und Besitzansprüche, Erotisierung und Exotisierung, Sexualitäten und Geschlechtlichkeit, Identitätspolitiken und Universalismus. Auf der Bühne: eine Gruppe von Tänzer_innen verschiedener Herkunft und tänzerischer Ausbildung, die sich von Expert_innen für Afro Dance, Afro House, sogenanntem orientalischem- oder Bauchtanz, Dancehall, verschiedenen Hip-Hop-Stilen (Popping, Locking u.a.), Salsa und Twerking in die Kunst des Hüftschwungs haben einweihen lassen. Sie präsentieren ihren Zugang zu den neu gelernten Bewegungen – mal nüchtern und verletzlich, analytisch, mal spielerisch und ausgelassen. Und erforschen den Tanz als Möglichkeit, sich von Zuschreibungen freizumachen und mehr und anderes zu werden, als sie auf den ersten Blick sind.
Treffpunkt Foyer Kammerspiele am Staatstheater Darmstadt
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Konzept, Choreographie Verena Billinger & Sebastian Schulz
Tanz, Performance Thomas Bauer, Davide Degano, Camilla Fiumara, Minju Kim, Kyoko Oku. Kostüme: Anika Baum
Projektorganisation Emma Atzenroth, Antonia Zeich
Bewegungscoaching Suffian Bangura, Niranh Chanthabouasy, Lena Drescher, Mariluz Fuente Figueredo, Gabriela Gleinig, Carina Maria Göllmann, Leila Nour
Grafik Florian Krauß. Kostümhospitanz: Dana Joldaspayeva, Zeynep Mandaci
Produktion Billinger & Schulz
Koproduktion FFT Düsseldorf, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main. Gefördert durch: Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR, Kunststiftung NRW, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
Unterstützt durch Z – Zentrum für Proben und Forschung Frankfurt, Frankfurt LAB, Schauspiel Frankfurt.
Die Koproduktion findet statt im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung, sowie der Tanzplattform Rhein-Main. Die künstlerische Arbeit von Verena Billinger und Sebastian Schulz wird mehrjährig gefördert durch das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main und die Konzeptionsförderung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Fotos: Florian Krauss
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Judith Hummel gibt seit 2013 regelmäßig Workshops für junge Erwachsene im Bereich „Körper: Performance, Improvisation, Shiatsu“. In den Workshops teilt sie Elemente aus ihrer Arbeit als Tänzerin und Performerin sowie Elemente aus ihren eigenen choreografischen Projekten. Die japanische Körperarbeit Shiatsu, worin Hummel 2018 die Grundausbildung absolviert hat, fließt in die Lehrtätigkeit mit ein. Themen wie Identität, Abschied, Neubeginn, Gruppe & Individuum sind inhaltliche Schwerpunkte der 3-4-tägigen Seminare. Träger sind LKJ Baden-Württemberg e.V., Stuttgart, LKB Hessen e.V., Frankfurt sowie BAG Spielmobile e.V., München. Außerdem hat Judith Hummel an der TUM in der Poliklinik und Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik sowie als Referentin bei der Caritas in der Erwachsenenbildung Workshops dieser Art gegeben. 2010 ist sie Assistentin in dem Schultanzprojekt Anna Tanzt V des Bayerischen Staatsballetts und begleitet von 2006-2010 zahlreiche Projekte von Tanz und Schule e.V., München.
Alessandra Corti, geboren in Italien, absolvierte ihre Tanzausbildung an der Ballettakademie des Turiner Theaters, in deren Ensemble sie anschließend für zwei Jahre tanzte. Im Atelier Teatro Danza der Akademie Paolo Grassi in Mailand arbeitete sie mit Cesc Gelabert, Lidya Azzopardi, Luca Veggetti, Susanne Linke, Avi Kaiser sowie dem Japanischen Kollektiv Dumb Type. Erste eigene Arbeiten waren das Solo ‚Happy End‘ am Theater Bremen und ‚Un mondo silenzioso‘ für das Teatro Libero Milano. Von 2007-2014 war sie Ensemblemitglied der Tanzcompagnie Oldenburg. Seit 2016 ist Alessandra Corti auch Gastchoerografin an der Akademie Paolo Grassi in Mailand und Gastlehrerin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt. Für die BallettCompagnie Oldenburg kreiert sie in dieser Spielzeit ‚Apartment 7a‘, ein Tanzstück für Kinder.
Das Work in Progress Showing findet am 11. April um 19:00 Uhr statt
„One pearl after the other (AT)“
Treffpunkt Künstlereingang | Staatstheater Darmstadt, Hügelstraße, 64283 Darmstadt
Dauer: ca. 2 Stunden
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Während unserer zweiwöchigen Residenz werden wir uns mit den Themen Herkunft, Identität und Biografie auseinandersetzen. Mit dem gewählten Schwerpunkt auf der italienischen Tänzerin und Choreografin Alessandra Corti wollen wir das Interesse auf eine interkulturelle, historische Perspektive auf den Tanz ausweiten. Alessandras Karriere umfasst ein bemerkenswertes tanzhistorisches Erbe, das ihre Persönlichkeit und Identität als Künstlerin widerspiegelt und den Kern der biografischen Forschung bildet.
Tanz ist eine vergängliche Kunstform – wertvolles Wissen ist in die Körper der Tänzer eingeschrieben und kann nicht wie ein Gemälde in einem Museum ausgestellt werden. Daher ist das Erinnern und Dokumentieren der Geschichte innerhalb der Disziplin unerlässlich und erfordert einen eigenen, sensiblen Ansatz.
Um Material für unsere Recherche zu sammeln, werden wir Interviews mit Personen führen, die eine wichtige Rolle in Alessandras künstlerischer Entwicklung gespielt haben. Aus diesen intimen Dialogen werden wir Einsichten und Perspektiven destillieren, die in unseren kreativen Prozess einfließen werden. Wir werden Aufgaben und Methoden entwickeln, die Bewegung und Text zu einer eindrucksvollen künstlerischen Erzählung verbinden.
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