Zwei choreografische Stimmen, zwei körperliche Erzählungen – „FILTER“ von Gunika Aniva und „BLACK“ von Oulouy begegnen sich in einem Abend, der Fragen nach Identität, Wahrnehmung und Zugehörigkeit ins Zentrum rückt. Beide Stücke erforschen den Körper als Archiv von Erfahrungen und Geschichte – als Medium, das gesellschaftliche Strukturen ebenso sichtbar macht wie persönliche Transformation.
FILTER ist ein zeitgenössisches Tanzstück der Choreografin Gunika Aniva, das die Spannungsfelder von Individualität, Imitation und Wahrnehmung in unserer Gesellschaft untersucht. Was bedeutet Selbstausdruck, wenn er von sozialen und kulturellen „Filtern“ geprägt ist?
Das Werk begreift den „Filter“ nicht nur als äußere Begrenzung, sondern auch als Spur des Erinnerns – als Sediment aus Erfahrungen, Gesten und kollektiven Bildern, die im Körper weiterleben. In minimalistischen, intensiven Bewegungen verwebt das Stück persönliche und kulturelle Erinnerungen – insbesondere aus der uigurischen Herkunft der Künstlerin – zu einer physischen Erzählung zwischen Verletzlichkeit und Widerstandskraft.
So entsteht ein Raum der Stille, des Innehaltens und der Transformation, in dem Identität nicht definiert, sondern sichtbar gemacht wird – flüchtig, widersprüchlich, echt.
Konzept & Choreografie: Gunika Aniva
Musik: Abudouaini Yimiti
Lichtdesign: Xie Sihan
Performer: Wang Shuhuan
Dauer: 40 Minuten

Geboren in Urumqi (Xinjiang), lebt und arbeitet Gunika Aniva heute in Shanghai. Ihre künstlerische Praxis bewegt sich an der Schnittstelle von Körper, Performance und Bewegtbild. Intuitiv und präzise zugleich untersucht sie in ihren Arbeiten das Verhältnis zwischen individueller Erfahrung und gesellschaftlichen Strukturen – insbesondere den Akt des Zuschauens und die Formung sowie Verzerrung körperlicher Sprache unter dem Blick des Anderen.
Sie war an zahlreichen interdisziplinären Projekten und Theaterproduktionen beteiligt, darunter Sleep No More (Shanghai), Nian Hua, Twenty-Four Solar Terms und Qing Yi. Ihre Videoarbeiten wurden u. a. beim Szóló Duó Festival (Ungarn) und dem Berlin-Tanzania International Film Festival gezeigt.

Wang Shuhuan absolvierte zunächst eine Ausbildung in Chinesischem Tanz an der Tanzschule der Shanghai Theatre Academy (2013–2019) und studierte anschließend Tanzchoreografie an der Shanghai Theatre Academy (2019–2023).
Sie wirkte an zahlreichen Projekten im Bereich zeitgenössischer Tanz und Performance mit, darunter die Zusammenarbeit mit der Künstlerin Xiao Ke für Umbilical Cord (eingeladen vom Hong Kong Arts Festival) sowie die Produktion Youyou Vision am Shanghai International Dance Center Theater.
Weitere Arbeiten entstanden in Kooperation mit Regisseur Yehezikir Lazarov (The Superfluous Man, Shanghai Cultural Square) sowie eigene Stücke wie Sooner or Later It Will Be Over (Stray Birds Dance Platform, China Youth Dance Talent Program) und Bang, and Other Detail (ausgewählt für das MASDANZA Festival und das Greater Bay Area Dance Festival).
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Black ist eine Reflexion über die Gewalt und die Emanzipation von Schwarzsein in der heutigen Welt – dargestellt durch einem Körper, der herausfordert und verstört, ein Körper, der zugleich verwundet und gefeiert wird. Mit einem Bühnenbild, das frei von Künstlichkeit und reich an Symbolik ist, verweist der Choreograf und Performer Oulouy auf jüngste Ereignisse wie die #BlackLivesMatter-Bewegung und die Ermordung von George Floyd, um den schwarzen afrikanischen Körper in der westlichen Welt neu zu denken. Black ist Tanz, eine visuelle und musikalische Chronik, erzählt durch Streetdance-Stile des afrikanischen Kontinents und seiner Diaspora in den USA, wie Coupé-Décalé, Ndomboló, Afrohouse oder Krump.
Choreografie und Performance: Oulouy
Produktion und Distribution: Africa Moment
Dauer: 30 Minuten
Geboren an der Elfenbeinküste und mit Wohnsitz in Spanien, verbindet Oulouy seine Rolle als Choreograf, Tänzer und künstlerischer Leiter mit dem Unterrichten von Masterclasses weltweit. Sein erstes Werk „Black“ (2020) ist eine Reflexion über Gewalt und die Emanzipation schwarzer Körper in zeitgenössischen Gesellschaften. Begleitet von einer internationalen Gruppe der Supa Rich Kids, ist „Afrikan Party“ (2022) eine futuristische Ode an Afrika. Sein jüngstes Werk ist „Kong“ (2024).
Seine Arbeiten wurden international gezeigt, u. a. im Perelman Performing Arts Center in New York, im Bluma Appel Theatre in Toronto, in der Fabrik Potsdam in Deutschland, im Dansens Hus Oslo, im Mercat de les Flors, im Teatro Principal de Palma, bei den Journées Théâtrales de Carthage, im Suzanne Dellal Centre, in der Dampfzentrale und vielen weiteren.
„Black“ wurde für den Katalog Danza a Escena 2024 ausgewählt, um innerhalb Spaniens auf Tournee zu gehen – Oulouy ist damit einer der ersten Choreografen, die ihre Arbeit in diesem Netzwerk präsentieren. Außerdem ist „Black“ Teil des AECID-Katalogs Excenario 2025–2026, der die internationale Verbreitung des Stücks unterstützt.
„Afrikan Party“ erhielt 2023 den Preis für die Beste Choreografie der Catalan Performing Arts Critics Awards und wurde zudem in das choreografische Archiv der New York Public Library aufgenommen.
Darüber hinaus ist Oulouy Gründer und Kurator des Festivals oyofe, das den Street Dances gewidmet ist.

Aktuell gibt es für dieses Programm keine bevorstehenden Termine.
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