Der indische Choreograf Mihir Grover erforscht in die Komplexität menschlicher Beziehungen.
Das Stück entfaltet sich – gemäß seinem Titel, der sich auf das Hindi-Wort „RAFU“ („flicken“, „ausbessern“) bezieht – als eine Reise des ständigen Reparierens, Bauens und Wiederaufbauens; ein Versuch, die Verbindung zwischen zwei Menschen zu stärken und zu bewahren.
Die Tanzperformance stellt dabei die Frage, warum wir uns den Rissen in unseren Beziehungen oft erst dann zuwenden, wenn sie kurz vor dem Zerbrechen stehen.
Staatstheater Wiesbaden, 13. & 14. Februar


Ich schreibe dir heute wieder. Und morgen auch.
Keine Nachricht. Keine Mail. Keine Autokorrektur für Gefühle.
Heute bin ich poetisch. Damit du verstehst: Du bedeutest mir alles.
Niemand ersetzt dich.
Wenn ich dich ansehe, weiß ich: Ich will bleiben.
Ich will reparieren, was zerbrochen ist.
Und ich weiß: Du willst es auch.
Zusammen ergibt es Sinn. Anfang. Ende.
Und doch sehe ich nicht, wie es weitergeht. Früher war es nicht so.
Du sprichst nur, wenn man dich anspricht. Ich habe Fragen. Aber hast du Antworten? Habe ich welche?
Wie sind wir hierher gekommen?
Dieses Schweigen. Kann ich dich umarmen?
Bist du da und ich sehe dich nicht?
Sei noch einmal hier.
Nur einmal.
Für einen Moment.
Für einen Atemzug. Kann ich dich umarmen?
Ich warte auf dich wie auf Schmerz.
Denn selbst wenn du hier bist: Ich warte noch.
Ich warte, dass du mich siehst.
Ich warte, ob du gegangen bist.
Ich warte, ob ich noch bei dir bin.
Ich wünschte, ich könnte sagen:
Es gibt nichts, was ich nicht für dich tun würde.
Sag mir, wenn dein Herz wund ist. Ich würde es heilen.
Ich bin dein.
Da war nie jemand anderes. Du bist mir der Liebste.
Meine liebsten Augen.
Meine liebsten Lippen.
Meine liebsten Hände.
Ich habe dich vermisst fast mein ganzes Leben.
Wenn ich dich nie getroffen hätte, hätte ich dich erträumt. Nun trägst du mich in dir.
Du bist ein Teil von mir.
Ich dachte, ich sei frei.
Jetzt bin ich Gefangener meiner Einsamkeit nach dir. Wir gingen so weit für Liebe.
Und jetzt kriechen wir fast, um sie nicht zu verlieren. Du bist voller Zärtlichkeit.
Voller Güte.
Aber auch voller Schmerz.
Voller ungesagter Worte.
Ich muss mehr wissen.
Dein Schweigen war entsetzlich. Es fühlt sich an wie Jahre.
Und ich bin außer Atem, weil ich dir hinterherjage.
Manchmal frage ich mich:
War es nur so schön, weil es kurz war?
Gestohlen?
Haben wir gespielt?
War ich weniger ich? Oder mehr?
Warst du weniger du? Oder mehr?
Ist es Wahnsinn, dass es weitergehen könnte? Dieses
Land des Schweigens… Ich habe dich studiert. Die Risse gesucht. Die Schwächen. Die Gefahren. Und dann bin ich mit offenen Augen hineingegangen.
Und ich begriff: Nicht alles ist schön.
Nicht jeder Mensch, für den wir tief fühlen, ist für immer.
Nicht jeder wird Zuhause. Ich dachte nur…wir wären anders.
Wie sind wir hierher gekommen?
Ich will dich bekämpfen und mich dir ergeben. Weil ich dich liebe.
Ich liebe den Schmerz, den es mit sich bringt, deine inneren Kämpfe, die nur ich kenne.
Jetzt stehe ich da:
Verzweifelt. Verwirrt.
Bereit aufzugeben. Oder bereit zu springen.
Dich so wild zu lieben,dass du keine Wahl hast als mich zurückzulieben.
Diesmal erwachen wir nicht, um nur das Schwierige zu behalten.
Nein.
Nicht diesmal.
Denn solange wir hier sind…halte ich das Wunder fest.
Und ich bringe es zu dir. Ich atme es um dich.
Also verdammt: Nimm es.
Ich liebe dich.
Doch in meinem Herzen ist immer Dämmerung.
Wo ist die Zeit, in der Menschen kämpften, starben für Liebe? Für einen Blick. Für eine Berührung. Wo ist diese Zeit geblieben?

Habe ich dich gewählt? Oder du mich?
Es war unvermeidlich.
Wie Sonne am Morgen. Wie Blitz vor dem Donner.
Du warst Farben, die ich nie gesehen hatte.
Geschmack, den ich nie kannte. Dein Duft war Zuhause.
Du warst alles, von dem ich nicht wusste, dass
ich es brauche.
Etwas regte sich in mir, jedes Mal, wenn ich dich ansah. Ich sehe dich dort sitzen.
Dein Platz.
Offenes Fenster.
Abendlicht.
Stille, schwer von Erkennen.
Wie oft saßen wir so? Gedanken
eins.
Atem eins.
Leben unseres. Wir lachten laut.
Wild. Lebendig.
Dein Haar…ich weiß, wie weich es ist. Das Funkeln in deinen Augen.
Dein Lachen.
Und deine Lippen…der Wahnsinn, sie zu küssen.
Du wurdest die Achse meiner Welt.
Wie viele Nächte bin ich in deinen Armen eingeschlafen?
Als wäre ich tausendmal um die Erde gegangen und
endlich daheim. Keine Kämpfe mehr.
Nur du.
Dein Blick auf meinem Gesicht.
Nur ein Atemzug entfernt: Dein schönes Gesicht.
Weiß die Welt, dass es so einen Ort gibt? Betrunken vor Liebe.
Mein Körper ist tagelang voll von dir.
Selbst in deiner Abwesenheit gehöre ich dir. Ich wartete
so lange.
Und dann warst du da.
Du hast mich aufgebrochen.
Verriegelte Räume gefunden. Und mich dort gehalten.
Du nahmst mein Gesicht zwischen deine Hände, bis ich überlief vor uns.
Liebe bereitet dich nicht vor.
Sie passiert.
Du kommst…und Zeit wird Traum.
Ich werde niemanden halten außer dich.
Keine Seele passt so in meine Arme.
Ich bin so sehr dein, dass ich nicht mehr nur ich bin.
Ich trage deinen Namen wie einen Puls. Nacht über uns.
Und ich küsse dich wie Hunger. Wie Atem.
Als wäre dies alles.
Niemand ersetzt dich.
Wir wohnen ineinander.
Auch wenn du fern bist:
Du bist mir näher als ich selbst. Ich liebe dich.
Nichts ergibt Sinn ohne dich.
Bitte sei hier.
Dieser Moment… er wird schön.
Doch jetzt ist alles anders.
Ich bin nicht mit dir. Ich bin gegen dich.
Zwei Wahrheiten: Ich liebe dich.
Und ich kämpfe.
Jahre vergessen im Hass einer Minute. Du verlangst ohne Anmut. Du nimmst ohne Dank. Du betäubst mich. Du
zerstörst. Du leidest.
Du baust. Du brichst. Du liebst? Du hasst? Sieh mich an!
Das Schreckliche ist: Der Mensch, der dich stärkt, kann dich mit Abwesenheit zerbrechen. Ich bin müde. Erschöpft.
Du bist gegangen. Keine Lächeln mehr.
Nur Fragezeichen in meinem Atem.
Ich bin ein Wrack.
Doch zwischen den Trümmern:
Stücke von mir.
Stücke von dir.
Darf ich fragen: War es einmal da?
Es fällt mir schwer, so zu tun.
Du bist jetzt mein Feind. Mein
teuerster Feind.

Warum kann ich mich nicht lösen von diesen Gefühlen?
Hänge ich an einer Vergangenheit, die nur in meinem Kopf existiert? Mein Verstand begreift langsam: Du bist nicht meine Erinnerung an dich.
Wir sind nicht die Menschen, die wir erinnern. Manchmal fürchte ich: Du und ich waren nur Konstrukte. Geschichten in mir, die mich jetzt verschlingen.
Heute bist du Schmerz.
Ich muss gehen. Ich bin müde, dir zu erlauben, mich unvollständig zu machen.
Dein Schweigen ist voller Dinge, die mich nicht interessieren.
Ignorieren ist keine Botschaft.
Es ist nur Flucht. Weil du tief in dir weißt: Du kannst nicht gewinnen.
Das ist es also. Meine Liebe verblasst. Und meine Abneigung wächst.
Ich sehe dich.
Und ich mag nicht einmal mehr dein Gesicht. Ich habe ein Herz zu geben. Aber sicher nicht dir.
Niemand ist törichter, selbstsüchtiger als du.
Du würdest mir einen Gefallen tun, wenn das hier das Ende ist.
Ich bin kein Spielzeug. Nicht für Langeweile.
Nicht für Einsamkeit.
Nicht für Lust. Ich bin keine Fantasie.
Wenn du mich willst: Verdien mich.
Leb wohl. Glaub mir: Es ist mir egal.
Ich werde mir eine neue Haut wachsen lassen. Die du nie berühren kannst.
Ein neues Herz.
Das du nie brechen kannst. Eine neue Seele. Die du nie verderben wirst.
Ich habe nur noch eines zu sagen: Fick dich.
Ich wollte poetisch sein. Philosophisch. Aber nichts funktioniert.
Dein Schweigen war dunkel. Widerwärtig. Siehst du das nicht? Du Dämon. Lass mich frei.
Ich reiße dich aus mir heraus. Ich hasse, was du geworden bist. Geh. Und such mich nie wieder. Ich will nichts mehr von dir hören.
Wenn es etwas gäbe, das mir Freude macht: Dein Gesicht nie wieder zu sehen.
Du redest unendlich viel Nichts.
Jedes Wort aus deinem Mund war eine Lüge.
Ich löse dich von meiner Haut. Von deinen Versprechen. Zur Hölle mit dir.
Du bist erschreckend klein für jemanden, der so ungeheuer nervt. Du bist diesen Schmerz nicht wert.
Es ist mir scheißegal, was du denkst. Du nennst mich eine Hure? Dann bin ich es eben.
Ich bin jeder Name, den du mir gibst.
Und du?
Du bist Dreck.

Wie sind wir hierher gekommen? Sehen wir weniger lebendig aus?
Oder mehr?
Hat das Gift in unserem Mund Löcher in uns gebrannt?
Haben wir vergessen, liebevoll zu bleiben in grausamen Momenten?
Du solltest wissen: Ich gebe mir selbst auch Schuld. Auch ich habe diese Lücke entstehen lassen.
Wie zerbrechlich wir sind zwischen den guten Momenten.
Und doch: Egal, wie schlimm es wird… Hier sind wir.
Wir atmen dieselbe Luft.
Trotz allem.
Unsere Geschichte endet nicht hier.
Dich zu lieben hat mich gelehrt:
Wahre Liebe führt dich hinaus über dich selbst. Und sie verwüstet dich.
Ich schreibe dir heute wieder. Und morgen wieder.
Ich wähle dich.
Und ich wähle dich weiter. Jeden einzelnen Tag.
Ich liebe dich. So einfach ist es. Und so kompliziert.
Glaubst du…jetzt ist die Zeit
für einen weiteren Versuch, zu sprechen?
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen