Plan B ist ein Projekt über Möglichkeiten und Identitäten. Gemeinsam mit der Tänzerin und
Choreografin Alessandra Corti begeben sich 60 Menschen ab 15 Jahren auf die Suche nach Geschichten, die noch ungesagt sind, Wege, die bisher (noch) nicht beschritten wurden und nach den vielen Versionen unserer selbst. Einen Plan B zu haben klingt nach Kompromiss – doch was, wenn gerade darin das größte Potenzial liegt? Wenn Umwege neue Räume öffnen, in denen wir Seiten an uns entdecken, die sonst verborgen bleiben?
Plan B erforscht tänzerisch und biografisch, wie sich Alternativen anfühlen – zwischen Realität und Fiktion, Wunsch und Erfahrung. Wir fragen: Welche Möglichkeiten liegen im Scheitern? Welche inneren Stimmen wollen gehört werden? Dabei ist Plan B kein Rettungsplan, sondern eine Einladung zum Neudenken, Erfinden und gemeinsamen Erzählen. Das Ergebnis ist eine Performance – offen, vielschichtig und zutiefst menschlich. Die großangelegten Partizipationsprojekte des Hessischen Staatsballetts bieten eine Tanzerfahrung der besonderen Art. In einem mehrwöchigen Probenprozess erarbeiten die Teilnehmenden gemeinsam mit Corti und in enger Begleitung der Tanzvermittlung ein
abendfüllendes Stück, das im Kleinen Haus in Darmstadt seine Uraufführung feiern wird.
Uraufführung 25.4.2026
Staatstheater Darmstadt, Kleines Haus
Dauer ca. 60 Min., keine Pause
von Lucas Herrmann
Plan B ist eine Einladung, vertraute Wege zu verlassen und sich dem Unvorhersehbaren zu öffnen. Die Choreografin Alessandra Corti richtet den Blick auf die Kraft des Alternativen: auf jene Momente, in denen das Leben eine unerwartete Wendung nimmt und neue Möglichkeiten sichtbar werden. Im Zentrum steht die Frage, was geschieht, wenn wir bereit sind, Gewissheiten loszulassen, um Raum für andere Perspektiven zu schaffen.
Ausgangspunkt des groß angelegten Partizipationsprojekts des Hessischen Staatsballetts sind die persönlichen Erfahrungen der Mitwirkenden. 34 Menschen aus der Rhein-Main-Region haben sich in einem intensiven sechswöchigen Probenprozess zusammengefunden, um ihre Gedanken, Wünsche und Ängste mittels Bewegung und Sprache in künstlerischen Ausdruck zu verwandeln. Bereits im Vorfeld setzten sich die Teilnehmenden schriftlich mit der Idee eines „Plan B“ auseinander. Persönliche Geschichten, Zweifel und Hoffnungen bildeten die Grundlage für eine gemeinsame künstlerische Recherche.
In Improvisationen, choreografischen Übungen und mittels automatischen Schreibens entstanden individuelle Ausdrucksformen, die im Laufe des Prozesses verdichtet wurden. Jede:r Beteiligte bringt dadurch eine Signatur auf die Bühne und wird zugleich zur Stimme des eigenen Selbst. Choreografierte Sequenzen und freier Ausdruck greifen ineinander und eröffnen einen Raum, in dem Begegnung und spontane Reaktion gleichermaßen möglich sind. Die eigens für das Stück entwickelte Musik von Anton Berman und Kostia Rapoport verbindet atmosphärische Klanglandschaften mit den Stimmen der Teilnehmenden. So entsteht eine vielschichtige Komposition, in der sich Bewegung, Sprache und Klang zu einer gemeinsamen Dramaturgie verweben. Das Thema des „Plan B“ erscheint dabei als fortwährender Prozess der Neuorientierung – als etwas, das sich im Zwischenraum der Möglichkeiten immer wieder neu verkündet. Auch der Bühnenraum spiegelt diese Idee wider. Eine große Treppe prägt die helle Szenerie und erinnert an einen öffentlichen Ort der Begegnung. Dahinter eröffnet eine Projektionsfläche den Blick in natürliche und urbane Räume. Innen und Außen treten in einen Dialog und verweisen auf die vielfältigen Einflüsse, die unser Denken und Handeln prägen.
Plan B versteht sich so als kollektive Spurensuche – nach Alternativen, nach Veränderung und nach der Freiheit, sich immer wieder neu zu entwerfen.
Choreografie Alessandra Corti
Musik Anton Berman, Kostia Rapoport
Bühne Andreas Etter, Alessandra Corti
Video Andreas Etter
Licht Philipp Giltjes
Künstlerische Produktionsleitung Kostüm Luca Wex
Probenleitung/Assistenz Ludmila Komkova
Dramaturgie Lucas Herrmann
Mit:
Alice Airich, Annette Axmann, Antje Baumann, Svitlana Becker, Phillip Berreth, Pauline Bierfreund, Karin Blachnik, Rom Miou Chatterjee, Elena Fattorelli, Daria Golbeck, Stefanie Grothues, Bernd Haberkern, Ines Haumann, Susan Heidenreich, Ulrich-Irato Hildmann, Aleksandra Hunger, Astrid Jochum, Emilija Kakarigji, Elisabeth Knoch, Brigtte Kubitza, Ramona Lena Nieveler, Frank Reedom, Stefanie Reinheimer, Laura Rößmann, Uschi Schell, Antonia Schetle, Alicia Schulmeyer, Emilie Schumacher, Astrid Sellhorn-Timm, Antje Stephan, Stilla Sternlewin, Yanna Vick, Uwe Zimmer, Uwe Zuber

Alessandra Corti ist eine italienische Choreografin, Performerin und Tanzpädagogin mit Wohnsitz in Mainz.
Sie schloss 2001 ihr Studium an der Civica Scuola di Teatro Paolo Grassi in Mailand ab und zog im selben Jahr nach Deutschland, wo sie bis heute lebt und arbeitet.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten trat sie an großen Staatstheatern wie dem Bremer Theater, dem Oldenburgischen Staatstheater und dem Staatstheater Mainz auf und entwickelte dort eigene Choreografien. Sie arbeitete mit renommierten Choreograf:innen wie Garry Stewart, Guy Weizmann & Roni Haver, Ina Christel Johannessen, Omar Rajeh, Ann Van den Broek, Koen Augustijnen & Rosalba Torres, Jo Strømgren, Alexandra Waierstall, Sharon Eyal und Wen Hui zusammen.
Neben ihrer Tätigkeit als Tänzerin entwickelte Alessandra eine eigenständige choreografische Handschrift. Ihr künstlerisches Schaffen bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Realität und Fiktion, verbindet autobiografische Themen mit einem intensiven, kollaborativen Dialog mit den Performer:innen und künstlerischen Partner:innen.
Sie arbeitet sowohl für Kompanien als auch in der freien Szene und kreiert Stücke, die von Soli bis hin zu Produktionen für junges Publikum reichen. In den vergangenen Jahren choreografierte sie u. a. für tanzmainz, die BallettCompagnie Oldenburg, Theater Wrede+, das Schauspiel Essen, das Theater Oberhausen sowie das Teatro Libero in Mailand.
Im Juni 2025 feierte ihre neueste Kreation AEREA an der Volksoper Wien Premiere – ein Auftragswerk des Wiener Staatsballetts.
Alessandra hat einen Masterabschluss in Contemporary Dance Education und lehrt an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main.
Im Gespräch mit Alessandra Corti
Wie war es für dich als Choreografin, mit dieser großen Gruppe zu arbeiten?
Es war eine Herausforderung, zumal ich erstmals mit nicht-professionellen Tänzer:innen gearbeitet habe. Das erforderte eine andere Herangehensweise und brachte mich dazu, meine Routinen zu reflektieren. Mein Team und ich suchten früh den Austausch mit den Teilnehmenden, da sich schon in der Planung zeigte, wie unterschiedlich die Vorstellungen von „Plan B“ sind. Fragen wie: Was bedeutet ein Plan B für dich? Wann hast du eine Wendung erlebt? Welche Assoziationen verbindest du damit? Aus diesen Gesprächen entstand ein breites Spektrum an Perspektiven, das in die Inszenierung eingeflossen ist. Wichtig war mir, dass sich alle mit ihren Empfindungen einbringen und einen eigenen Zugang zum Thema finden können.
Welche Rolle spielt die eigens komponierte Musik?
Die Musik von Anton Berman und Kostia Rapoport wurde größtenteils vorproduziert, sodass ich bereits in den Proben damit arbeiten konnte. Sie schafft eine schwebende, emotionale Atmosphäre. Ich arbeite selten mit festen Zählschritten, sondern lasse Musik und Performer:innen eher unabhängig im Raum wirken. Dadurch entsteht eine gewisse Unberechenbarkeit, die ich sehr schätze: Man kann den Moment voll in die Hände nehmen. Zwar sind Struktur und Abläufe klar, doch jede Aufführung entwickelt sich anders. Das war anfangs verunsichernd, wurde aber mit der Zeit als Freiheit erlebt – verbunden mit Verantwortung und großer Präsenz.
Wie wünschst du dir, dass Plan B aufgenommen wird?
Ich hoffe, das Publikum ist offen für eigene Perspektiven und nimmt vielfältige Eindrücke mit. So unterschiedlich wie unsere Sichtweisen im Prozess waren, werden auch die Wahrnehmungen im Publikum sein. Idealerweise entsteht eine emotionale Verbindung, getragen vom Enthusiasmus der Teilnehmenden.
Aktuell gibt es für dieses Programm keine bevorstehenden Termine.
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